Maßstäbe im Wandel

Das duale Menschenselbst hält lange Zeit an zwei Dingen fest: an den gewohnten Maßstäben und an der persönlichen Geschichte. Beides macht den Übergang schmerzvoller als notwendig.

Im Lauf seines Lebens hat der Mensch gelernt, Maßstäbe an alles und jedes anzuwenden. Ständig bewertet er, und zwar nach den Maßstäben, die er gelernt hat. Als kleines Kind hat er das keineswegs getan, da hat er nur danach bewertet, was ihm gut tut und Freude macht und was nicht. Nun hat er Maßstäbe darüber, was ein gutes und erfolgreiches Menschenleben ausmacht. In spirituellen Kreisen werden nur manche dieser Maßstäbe verändert, die wesentlichen bleiben gleich. Und das erschwert den Übergang in die Neue Energie.

Der erwachende Mensch bewertet die folgenden Dinge lange Zeit immer noch als gut:

  • Immer gesund zu sein und immer gesünder zu werden. Zu allem Übel findet er es auch gut, körperlich jünger zu werden, weil er oft gehört und gelesen hat, dass das möglich sei bzw. sowieso von selbst geschähe. Damit verlängert er den ewigen Jugendfetischismus der dualen Welt.
  • Viel Geld zu haben und in materiellem Wohlstand bzw. Überfluss zu leben.
  • Einen idealen Partner zu haben.
  • Viele Menschen zu lieben und von ihnen geliebt zu werden.
  • Viele gute Freunde zu haben.
  • Sein Geld mit einer so genannten erfüllenden Tätigkeit zu verdienen.
  • Keine Probleme zu haben. Es ist gut, wenn alles läuft wie geschmiert.
  • Sein Leben jederzeit unter Kontrolle zu haben.
  • Angesehen zu sein.
  • Ein Problem im Handumdrehen lösen zu können, sollte doch eines auftauchen.
  • Seinen Verpflichtungen immer nachzukommen.
  • Seine Lieben zu beschützen.
  • Freunde zu haben, die für einen da sind, wenn es ihm schlecht geht.
  • Sicherheiten und Auffangnetze zu haben.

Das ist nur eine kurze und unvollständige Liste, aber du siehst, worauf sie hinausläuft. Du kannst die Liste selbst erweitern. Und das sind Maßstäbe, die fast jeder erwachende Mensch im Übergang noch immer hat. Viele sagen, sie hätten keine Sicherheiten und bräuchten auch keine. Vielleicht haben sie wirklich keine, dennoch wünschen sie sich welche und versuchen, sie sich zu erschaffen. Ohne Erfolg natürlich. Meistens aber halten sie an Sicherheiten fest, die sie vielleicht gar nicht als solche wahrnehmen. Sie holen sich zB jedes Monat ihr Geld vom Arbeitsamt und reden sich ein, sie täten das, weil es ihnen zustünde, nicht weil sie Sicherheiten haben wollten. Ich kenne praktisch alle Spiele des Selbstbetrugs von mir selbst und von anderen. Sie sind normal und verständlich, dennoch nicht hilfreich.

Im Übergang erlebt der Mensch aber zu verschiedenen Zeiten, dass einige der genannten Punkte nicht auf ihn zutreffen. Im Extremfall trifft sogar kein einziger zu. Und nur, weil er seine alten Maßstäbe noch immer hat, empfindet er seine Lage als trist, hoffnungslos und schlecht. Das geht dann direkt an seinen Selbstwert, weil er diesen ebenfalls über die alten Maßstäbe definiert. Er traut sich nicht sich mitzuteilen, traut sich nicht zu sagen, wie es um ihn steht. Schwupp – haben wir auch schon dieses altbekannte Gefühl der Scham. Und natürlich glaubt er wieder, er hätte etwas falsch gemacht.

In die Neue Energie kann nichts mitgenommen werden, auch die alten Maßstäbe nicht. Später sagt sich der erwachte Mensch: „Wenn ich viel Geld, einen Partner und viele Freunde gehabt hätte, hätte ich keine Zeit für mich selbst gehabt und wäre ständig abgelenkt gewesen. So hätte ich nie erwachen können!“ Der erwachte Mensch schaut auf die Dinge aus göttlicher Sicht, weil er nun der göttliche Mensch ist. Und aus göttlicher Sicht sieht alles anders aus. Hier siehst du schon, dass die genannten Maßstäbe für Gott nicht gelten.

In der Skizze des Übergangs habe ich drei Beispiele für das Vortreten des göttlichen Willens gebracht (Partner, Geld, Leidenschaft). Anhand dieser Beispiele siehst du, dass so genannte Probleme absolut richtig, gut, nützlich und notwendig sind. Zu Problemen werden die beschriebenen Situationen aber erst durch das Anwenden der alten Maßstäbe, denn die besagen, dass der aktuelle Mangel an Freunden, Gesundheit, Geld, Leidenschaft usw. schlecht sei. In Wahrheit handelt es sich aber nicht um Probleme, sondern um Situationen, die notwendig sind, damit der Mensch Zeit hat für sich, seine Trennungs- und Loslassprozesse und zum Ergründen seines wahren, göttlichen Selbsts. Das ist viel wichtiger als alles andere.

Glaube jetzt bitte nicht, was Generationen von Menschen über Spiritualität und „Aufstieg“ dachten, nämlich dass man als erwachter Mensch (und jetzt als Mensch in der Neuen Energie) arm sein und auf die Genüsse der Welt verzichten müsse. Nein, ganz im Gegenteil! Aber diese Dinge haben einen anderen Stellenwert, es gelten eben andere Maßstäbe. Geld ist niemals Selbstzweck, es dient dazu, sich das zu beschaffen, was man gerade braucht. Wenn du zB eine größere Reise unternehmen willst, weil sie gerade jetzt zum Leben deiner Leidenschaft dazugehört, dann wird das nötige Geld da sein. Wenn du gerade nur zu Hause herum sitzt und den Tag genießt, wird dieser Betrag nicht da sein, weil du ihn nicht brauchst. Geld, Menschen, Dinge dienen immer dem Leben des göttlichen Menschen, nicht dem Aufrechterhalten des alten dualen Menschen.

Menschen hängen so sehr an den alten Maßstäben für Erfolg, wie oben genannt. Im Übergang geht es aber um einen ganz anderen Erfolg, und dazu gehört, dass einige Punkte zeitweilig, manchmal auch über Jahre, nicht erfüllt sind. Das gehört dazu, um Platz zu machen. Wer so vieles loslässt, loslassen muss, wie der Mensch im Übergang, verliert eben auch die genannten Punkte. Und das ist gut, nicht schlecht.

Sicherheit bzw. das, was Menschen für Sicherheit halten, gibt es in der Neuen Energie gar nicht mehr. Sie wird abgelöst durch Vertrauen in sich selbst, zunächst, und dann durch selbstverständliches Wissen. Der göttliche Mensch weiß, dass im nächsten Moment, morgen und nächste Woche genauso alles perfekt sein wird wie im jetzigen Moment.

Nehmen wir einmal an, du verlierst dein Haus bzw. deine Wohnung. Durch irgendwelche Umstände kommt dir dein altes Heim abhanden, scheinbar ohne deinen Willen und ohne dein Zutun. Du erhältst auch keine Entschädigung dafür und weißt nun nicht, wo du wohnen sollst. Das alte, menschliche Selbst bewertet das sofort als katastrophal und als Riesenproblem. Es wird panisch und sucht hektisch nach einer neuen Bleibe. Wenn du wenig Geld hast, suchst du auch hektisch nach zusätzlichen Einkommensquellen oder nach Menschen, die dir Geld borgen können. Nach vielen, anstrengenden Versuchen findest du schließlich gerade noch rechtzeitig eine Übergangsbleibe, eine kleines Zimmer irgendwo, damit du nicht auf der Straße schlafen musst. Bei all dem fragst du dich, was du falsch gemacht hast. Wie konnte das passieren? Dir, als fast erwachtem Menschen, der schon so weit gekommen ist? Warum ist es dir nicht gelungen, dir das zu erschaffen, was du zum Leben brauchst? Und damit die Sache so richtig unangenehm wird, leidet nun dein Selbstwert. Denn nach deinen alten Maßstäben bist du nur dann wertvoll, wenn dir alles gut gelingt. Doch in diesem Fall ist dir etwas ganz Wesentliches nicht gelungen. Dabei hast du schon so lange so viele spirituelle Weisheiten von dir gegeben. Das kannst du jetzt nicht mehr, weil du ganz offensichtlich die grundsätzlichsten Dinge des Lebens nicht auf die Reihe kriegst. Dann redest du dir selbst ein, dass jetzt alles gut ist und so sein muss. Das versuchst du auch anderen weiszumachen. Gleichzeitig versuchst du krampfhaft, dir ein neues Heim zu erschaffen. – So sieht das Ereignis des Verlusts des Hauses gemessen an den alten, menschlichen Maßstäben aus.

Was wäre, wenn dein Haus aus deinem Leben verschwunden ist, weil darin alte Energien waren, die dich gebremst haben? Oder wenn du dieses Heim mit einem Menschen geteilt hast, der dich gebremst oder abgelenkt hat, deine Aufmerksamkeit beansprucht hat? Er hätte dich daran gehindert, ein souveräner Mensch zu werden. Was wäre, wenn schon ein viel besseres Haus auf dich gewartet hat, das du in deiner Panik und Hektik bloß nicht gesehen hast? Was wäre, wenn du deine Wohnung verloren hast, weil du schon lange in eine andere Stadt oder in ein anderes Land übersiedeln wolltest? Was wäre, wenn du dir gar keine neue Wohnung erschaffen hättest müssen, weil sie schon längst da war, bevor du deine alte verloren hast? Was wäre, wenn du überhaupt nichts falsch gemacht hättest, und alles perfekt und genau richtig war?

Würde unter diesen Gesichtspunkten der Verlust deines Heimes nicht ganz anders aussehen? Könnte es nicht sein, dass so gesehen nicht einmal irgendetwas problematisch an dieser Situation wäre? Wäre sie dann nicht einfach eine wundervolle Veränderung mit neuen Chancen und Potentialen? Und was wäre, wenn dein kleines Zimmer im Übergangsquartier absolut richtig wäre, weil dort etwas liegt, dass du lernen musst, um deine nächsten Schritte zu gehen?

Betrachte alles in deinem Leben aus verschiedenen Blickwinkeln, aus vielen Blickwinkeln. Bleib nicht stehen bei deiner alten, menschlichen Sichtweise. Denn, noch einmal, du wirst im Übergang nicht zum super tollen und super erfolgreichen dualen Menschen, du wirst ein anderer Mensch. Der andere, der göttliche Mensch hat andere Maßstäbe, für ihn zählen die alten, menschlichen Maßstäbe gar nichts.

Betrachte insbesondere alles, was dir problematisch und unangenehm erscheint von diesem Blickwinkel: Was wäre, wenn all das goldrichtig und perfekt wäre? Wenn alles genau stimmen und passen würde? Wenn alles nur zu deinem größten Ziel und deinem höchsten Wohl führen würde, nämlich vollständig zu erwachen? Welche Bedeutung hätten deine sogenannten Probleme dann? Sie müssen zwangsläufig ganz anders aussehen.

Gute Freunde, ein komfortables Heim, genug Geld, Gesundheit usw. usf. sind keine Indizien für das Erwacht-Sein in der Neuen Energie, sie sind dessen Folge, ein Nebenprodukt. So ist das Leben als vollständig erwachter Mensch in der Neuen Energie eben. Er erlebt Leichtigkeit und Synchronizität, er muss sich nicht anstrengen für irgendetwas, er hat immer alles, was er braucht. Aber das sind nur manche der Qualitäten des Lebens in der Neuen Energie, Nebenprodukte eben. Diese Dinge anzustreben und sie zu wünschen ist der Zugang des alten, dualen Menschen. Der erwachte Mensch weiß, dass sie da sind und nimmt sie an, wenn er sie braucht.

Untrennbar mit den alten Maßstäben ist die persönliche Geschichte verbunden. Der Mensch klammert sich fest an Ereignisse, die er erlebt hat, an Ausbildungen, die er absolviert hat und an Menschen, die in seinem Leben waren. Er sagt, dass dieses und jenes so und so gewesen sei und seine Geschichte so und so verlaufen sei. Doch das ist sie definitiv nicht. Das menschliche Selbst sieht nur einen winzigen Ausschnitt dessen, was wirklich geschehen ist, und er betrachtet diese Ausschnitte aus dem Blickwinkel seiner alten, menschlichen Maßstäbe. Mit so einer Geschichte kann er nicht in die Neue Energie gehen.

Später, wenn er einmal erwacht ist, hat er keine Geschichte sondern einfach einen großen Reichtum an Erfahrungen. Er sieht dann auch, wie die Ereignisse, die Ausbildungen und die Menschen wirklich waren und was das alles wirklich für ihn bedeutet hat.

Die persönliche Geschichte hindert dich daran, im Jetzt zu leben und weiter zu gehen, weil die Geschichte immer einen bestimmten Pfad vorgibt. Sie ist der Stützpfeiler des Egos, sie bestimmt deine menschliche Identität. Genau die verlierst du aber im Übergang, genau die stirbt. Befreie dich also von deiner persönlichen Geschichte, sie gibt dir keine Auskunft darüber, wer du wirklich bist und engt dich nur ein. Menschen, die in der Phase 3 schon weiter fortgeschritten oder in Phase 4 oder 5 sind, können berichten, dass sie irgendwann das Interesse daran verloren haben, über ihre Geschichte, ihre Biografie zu erzählen. Sie haben das Interesse daran verloren, auch nur daran zu denken. Und sie sind fürchterlich gelangweilt, wenn sie persönliche Geschichten von anderen Menschen hören. Ganz einfach deshalb, weil diese Geschichten keinerlei Bedeutung haben. Ebenso wie die alten, menschlichen Maßstäbe.

Beitrag des Moments

Meine neuesten Erkenntnisse über die Reise in die Neue Energie und das Leben in ihr, über den vollständigen Übergang, sind nun ca. eine Woche alt. Und zum ersten Mal in meiner ganzen spirituellen Reise fühle ich, dass ich nichts mehr zu lernen habe. Es gibt nichts mehr, das ich erkennen muss. Es gibt keinerlei Schleier mehr, hinter dem sich etwas verbirgt. Ich weiß alles, was ich wissen muss, um der Schmetterling in der Neuen Energie zu sein. Nichts mehr zu lernen.