Die neuen Lehrer

Ich möchte zunächst noch einmal in Erinnerung rufen, wie traditionelles Lehren geschieht. Der Lehrer verfügt über Verstandeswissen (Ebene 1 und 2, also kein echtes Wissen) und möchte dieses seinen Schülern vermitteln. Im schlimmeren Fall, der leider eher die Regel als die Ausnahme ist, vermittelt er nur ein Teil seines Wissens, niemals alles. Er möchte einen Abstand zwischen sich und den Schülern aufrecht erhalten, er möchte das Podest nicht verlieren, auf dem er steht. Das ist sowohl unter schlafenden als auch unter erwachenden Menschen so. Unter Erwachenden ist es mitunter sogar schlimmer, viele Lehrer gerieren sich als große, erleuchtete Meister und wollen auch so wahrgenommen und behandelt werden. Ein entsetzliches Spiel von Ego und Macht.

Altes Lehren ist also immer nur ein Transfer von Informationen, Informationen kommen vom Verstand und bedienen den Verstand. In den allermeisten Fällen will der Lehrer für sein vermeintliches Wissen respektiert, geachtet und geehrt werden. Oder sollte ich besser sagen, verehrt? wink Raum für Erkenntnis bleibt beim alten Lehren kaum bis gar nicht.

Im spirituellen Bereich tritt das Element der Verehrung besonders hervor. Die Lehrer schmeißen mit angeblichen Informationen über das Universum, das Leben und alten Lehren nur so um sich, die Schüler glauben das alles in der Regel. Die Lehrer wollen Verehrung und bekommen sie auch. Die Lehrer wollen die Schüler immer ein bisschen unwissend dastehen lassen, oft sogar mehr, sie behandeln Schüler wie Deppen.

Neue Lehrer operieren auf einer ganz anderen Ebene, auf der Ebene des Erkennens, also des Spürens und Fühlens. Sie sprechen die Instanz im Schüler an, die zu Erkenntnis fähig ist, sie operieren also ausschließlich auf den Ebenen 3 und 4 des Wissens, der Verstand wird außen vor gelassen. Natürlich benutzen auch neue Lehrer Worte, die sind halt das beliebteste Kommunikationsmittel unter Menschen. Aber diese Worte kommen aus einer anderen Ebene als dem Verstand und adressieren in den Schülern eine andere Ebene.

Die neuen Lehrer sprechen aus ihrer Weisheit, die sie selbst entdeckt und erkannt haben, nicht aus kumuliertem Verstandeswissen. Mit Weisheit meine ich auch nicht einen großen Erfahrungsschatz, Menschen verwechseln das oft. Weisheit kommt von innen, nicht aus Erlebnissen; sie kommt durch Erkenntnis, nicht durch die Anhäufung vieler äußerer Eindrucke. Hätte Weisheit etwas mit Erfahrung zu tun, könnte ein junger Mensch nie weise sein. Kann er aber! Weisheit hat nichts mit menschlichen Erfahrungen zu tun, sondern damit, wie sehr sich ein Mensch traut, auf sein Inneres zu hören, statt auf das ganze Geplapper von außen.

Ein neuer Lehrer ist ein Katalysator.

In der Chemie ist ein Katalysator ein Element, das eine chemische Reaktion anstößt bzw. ermöglicht, ohne selbst in die Reaktion einzugehen. Dieses Element (also der Katalysator) ist nicht Bestandteil der neuen chemischen Verbindung, die durch die Reaktion entsteht.

Genau das ist ein neuer Lehrer, ein Katalysator. Der Schüler wird also nicht gefüttert mit „Wissen“ des Lehrers, vielmehr ermöglicht der Lehrer, dass sich der Schüler seines eigenen Wissens, seiner eigenen Weisheit, gewahr wird. Die Anwesenheit und die Worte des Lehrers ermöglichen eine Resonanz im Schüler, die dieser unter anderen Umständen nicht wahrnimmt. Nun hat der Schüler die Möglichkeit zu echter Erkenntnis, zum Entdecken seiner eigenen Weisheit.

Es liegt also keineswegs im Interesse der Lehrers, Schüler abhängig zu machen, sondern ganz im Gegenteil. Er lehrt ja nur deshalb, damit der Schüler ebenfalls Zugriff auf seine eigene gesamte Weisheit erhält. Deshalb braucht ein neuer Lehrer auch keine Verehrung und Bewunderung von Schülern, er ist kein Guru. (Obwohl im Indischen Guru einfach das Wort für Lehrer ist. Aber in der heutigen Zeit versteht man unter Guru genau diesen angebeteten Obermeister, wie ich ihn weiter oben beschrieben habe.) Für einen neuen Lehrer gibt es nichts Schöneres, als Zeuge der Erkenntnisse der Schüler zu werden. Das ist der Genuss, den ein neuer Lehrer aus seinem Lehren gewinnt. Deshalb kann er niemals schlafende oder verschlossene Menschen lehren, denn die sind nicht bereit, auf den Ebenen 3 und 4 zu lernen, also eigene Erkenntnis zu gewinnen. Solche Schüler verstehen nicht, wovon der Lehrer spricht.

Es ist fast überflüssig zu erwähnen, dass neue Lehrer niemals Probleme von Schülern lösen. Dazu sind sie nicht da, und sie können das auch gar nicht. Vielmehr wissen sie, dass jedes Wesen seine Probleme selbst lösen kann und muss. Neue Lehrer stellen den Resonanzraum zur Verfügung, in dem Schüler erkennen, worum es bei ihren Problemen eigentlich wirklich geht, falls sie überhaupt noch welche sehen. Wenn ein Mensch zu einem anderen Menschen geht und möchte, dass dieser sein Problem löst, will er in Wahrheit nur Energie von ihm stehlen. Ein neuer Lehrer erkennt das sofort und spielt dieses Spiel nicht mit.

Ein neuer Lehrer legt nicht nur keinen Wert darauf, Verehrung und Bewunderung von dir zu erhalten, sondern er wird dir auch Dinge erzählen, dir dir gar nicht gefallen, auch wenn du ihm nachher den Rücken zukehrst. Er tut das, wenn er sieht, dass du dich verrennst oder feststeckst, wissend, dass du schon bald die Botschaft des Lehrers verstehen wirst. Aus eigener Erfahrung muss ich allerdings sagen, dass zwar schon oft Menschen böse auf mich waren, mir aber noch niemand letztendlich der Rücken zugekehrt hat. wink Es stimmt aber, dass es mir in solchen Momenten völlig egal ist, ob sich jemand von mir abwendet. Ich weiß einfach, dass es eine Ebene in meinem Gesprächspartner gibt, die genau das hören will, was der menschlichen Oberfläche so unangenehm erscheint.

Es gibt heute noch nicht so rasend viele neue Lehrer, ebenso wenig wie es neue Schüler gibt. Die meisten Menschen bevorzugen noch immer die alte Form des Lernens und des Lehrens. Ich weise aber deutlich darauf hin, dass diese alte Art nirgendwo hin führt, wirklich nirgendwo. Wenn du wirklich erwachen möchtest, solltest du bereit für neues Lernen sein und im Bedarfsfall einen neuen Lehrer wählen.

Beitrag des Moments

Ich bezeichne meinen Körper gerne als Standard für mich und mein Leben. Oder besser gesagt, mein Verhältnis zu meinem Körper. Ihm gegenüber habe ich 100%iges Vertrauen, was auch passiert. Da können mir Ärzte, Ernährungswissenschaftler und andere Experten erzählen, was sie wollen. Das prallt einfach an mir ab. Ich wurde von Ärzten schon als verantwortungsloser Trottel bezeichnet, das beirrt mich nicht. Es fällt mir auch leicht, die Stimme meines Körpers zu hören und ihr zu folgen. Wenn ich monatelang Heißhunger auf süße Naschereien habe, dann esse ich sie.