Total verwirrt

Stell dir vor, du bist erwacht und weißt es nicht. Das ist der Normalfall! Stell es dir vor. Was machst du? Du tust weiter wie bisher. Du hörst oder liest dieselben Channelings, du liest dieselben Bücher und dieselben Websites. Du findest zwar immer wieder etwas, das dich inspiriert, zu dem du in Resonanz gehst, das du als richtig und wahr für dich erkennst, aber der echte Kick bleibt aus. Der Kick, von dem du hoffst, dass er dich zum Erwachen führt.

Du spürst den Unterschied zwischen dir und den anderen. Zu den schlafenden Menschen sowieso, aber auch zu den erwachenden. Wenn du Channelings hörst oder liest, bist du geneigt, das gechannelte Wesen für ultimativ weise und unfehlbar zu halten. (Ich kann dir versichern, dass keines dieser Wesen allwissend, hellsehend oder gar unfehlbar ist.) Und da gibt es dann immer wieder und immer öfter Momente, wo du dich fragst, wie du die Botschaften dieses Wesens interpretieren und auf dich anwenden sollst.

Das ist total verwirrend für dich. Denn die Botschaften der gechannelten Wesen richten sich an erwachende Menschen, nicht an erwachte. Für dich ist das so, als ob du jeden Tag den ganzen Tag versuchen würdest, dir Schuhe anzuziehen, die dir drei Nummern zu klein sind. Du kommst nicht rein und der Versuch tut weh.

Wenn du Berater, Coaches, spirituelle Begleiter oder ähnlich Personen aufsuchst, um Rat und Antworten zu finden, ist es dasselbe. Denn die sind allesamt mit ziemlicher Sicherheit nicht erwacht. Sie messen dich mit Maßstäben, die einfach überhaupt nicht mehr für dich passen. Sie sehen dich ja aus ihrer unerleuchteten Sicht, sie wissen einfach nicht, was mit dir los ist.

Und du fragst dich die ganze Zeit, was mit dir los ist. Das ist hochgradig verwirrend. Du spielst den Erwachenden, aber das ist nicht mehr deine Rolle. Du gibst dich mit Erwachenden ab und versuchst ständig, viel zu enge Kleider anzuziehen. Du versuchst, dich auf ihren Standpunkt zu stellen und ihre Sichtweise einzunehmen. Und wenn du dann einmal authentisch aus deiner Sichtweise sprichst, wirst du schief angeschaut – im milderen Fall.

Das Problem an der ganzen Sache ist, dass es überall ums Erwachen geht und nicht ums Erwachtsein. Also hast du keine Referenz für deinen Zustand und deine Prozesse und Entwicklungen. Es gibt nicht sehr viele erleuchtete Menschen auf der Welt. Und es gibt noch viel weniger, die ein Interesse daran haben, anderen Menschen über ihren Zustand und ihr Leben zu erzählen. Schmetterlinge haben im Allgemeinen wenig Lust, den Raupen ihr Leben zu erklären. Sie verstehen es ohnehin nicht und versuchen überwiegend, den Schmetterlingen ihren Seinszustand abzusprechen.

Also stehst du in der Regel alleine da, nicht wissend, dass du erwacht bist. Und wenn du keinen Referenzpunkt findest – durch einen erleuchteten Menschen, durch ein besonderes Ereignis oder durch deinen Selbstausdruck – dann kann es Jahre dauern, bis du realisierst, dass du schon längst erleuchtet bist. Verdammt verwirrende Jahre.

Ich hatte in meinem Leben natürlich keinen Referenzpunkt. Dennoch dauerte bei mir die Phase Realisierung nur ca. fünf Monate. Möglich war das nur durch meinen reichlichen und bedingungslosen Selbstausdruck. Kurz nach meinem Erwachen – von dem ich natürlich nicht wusste, dass es mein Erwachen war – eröffnete ich ein Website, eine Plattform, die dazu dienen sollte, den Austausch unter erwachenden Menschen zu fördern. Wer sich am meisten mitteilte, war ich selbst. Ich schrieb und schrieb, und im Schreiben erkannte ich mich selbst immer besser. Nachdem ich das vor Publikum tat, war die Wirkung noch viel stärker, und ich ließ meine Schamgrenzen reihenweise fallen. Mein Bedürfnis nach Selbstausdruck ließ keine Scham zu. (Den größten Teil dieses Selbstausdrucks kannst du in meinem Blog nachlesen. Es sind die Texte von Anfang an bis ca. Mai 2010.)

Der Selbstausdruck ist ein göttliches Grundbedürfnis. Wenn sich das Göttliche nicht durch den Menschen ausdrücken kann, kreiert es Dramen, Krankheiten und Katastrophen. Es muss sich irgendwie ausdrücken. Und der Selbstausdruck ist ein zentrales Element der Neuen Energie. In der alten Energie lernt sich der Mensch durch Konfrontation mit einem Gegenüber selbst immer besser kennen. Durch den Blick in den Spiegel. Im harmlosesten Fall besteht die Konfrontation in einer Diskussion, im schlimmsten Fall in Krieg. Neue Energie hat und braucht kein Gegenüber. In der Neuen Energie lernt sich der Mensch durch seinen Selbstausdruck immer besser kennen.

Ein Nebenprodukt meines Ausdrucks war, dass ich den fundamentalen Unterschied zwischen mir und den Erwachenden immer deutlicher wahrnahm. Beides zusammen führte dazu, dass ich knapp fünf Monate nach dem Erlebnis meiner bedeutenden Erkenntnis realisierte, dass jenes Erlebnis mein Erwachen war. Somit erlebte ich in dieser Phase deutlich weniger Verwirrung als die Erwachten, die sich selbst nicht mit bedeutenden Ereignissen oder Tätigkeiten der Selbsterkenntnis beschenkt haben.

Die Verwirrung kann aber noch einige Zeit nach der Realisierung fortbestehen, wenn sich der Erwachte zu viel mit Erwachenden abgibt und sich zu stark mit ihnen identifiziert. Ich erinnere mich an eine Begebenheit, die ich mit einer lieben, erwachten Freundin erlebte. Wir hatten beide die Realisierung schon hinter uns. Es gab wieder einmal einen Shoud. Nachdem meine Freundin den Shoud gehört hatte, war sie richtig zornig. „Was soll das schon wieder?! Was hat Adamus da gesagt?! Wie meint er das? Ich verstehe das nicht!“ Ich hatte den Shoud auch gesehen und antwortete: „Adamus sprach nicht über uns. Seine Aussagen bezogen sich auf die erwachenden Menschen.“ Das hatte die Verwirrung meiner Freundin aufgelöst.

In der Phase Spirale sah die Sache für mich schon ganz anders aus. Nachdem ich nach meiner Realisierung in etwa drei Monate lang mich in meiner vollen Göttlichkeit samt dem zugehörigen Leben im Außen erlebt hatte, was einfach unbeschreiblich überwältigend ist, kam die Trennung. Das war schlimmer, als zurück in die Hölle zu müssen, weil ich ja schon die Erleuchtung und Integriertheit erlebt hatte. Mir fehlen hier wirklich die Worte, das zu beschreiben. Es kann einfach nichts Schlimmeres geben. (Ich hatte damals meinen Ausdruck etwas zurückgenommen, weil ich mich fürchterlich schämte. Es gibt einen Eintrag im September 2010. Dann folgte eine Phase des Rückzugs.)

Ich hatte natürlich keine Referenz, weil es weit und breit keinen erleuchteten Menschen gab, der mir davon erzählen hätte können. Es gab niemand, der mir gesagt hat, dass das normal ist und dass ich wieder zu mir kommen würde. Ich litt Qualen ohne Ende.

Stell dir vor, du bist erleuchtet und dir dessen bewusst, hast die Leichtigkeit und Einfachheit des göttlichen Lebens mit all der Synchronizität erlebt, hast dich selbst über einige Zeit ununterbrochen ganz gespürt, und dann wird der Draht zu dir wieder durchgeschnitten. Stell es dir vor! Nebst den Qualen des Getrenntseins machst du dir Tonnen und Abertonnen von Sorgen, du verfällst in hektische Aktivitäten, dich quälen Ängste ohne Ende – und, und das ist der gute Teil, du verlierst dein Gesicht. Denn die anderen, die Erwachenden und die Schlafenden verspotten dich, wenn sie irgendwas von deiner aktuellen Situation mitkriegen. Zum Lügen und Aufrechterhalten einer alten Identität hast du keine Kraft und keine Lust mehr.

Du glaubst, du hättest etwas falsch gemacht oder nicht hingekriegt. Und du tust das denkbar Schlechteste in dieser Situation: Du gehst wieder zurück zu den Erwachenden. Du willst das nachholen und nachlernen, wovon du glaubst, es versäumt zu haben. Doch nun kommt dir alles noch verwirrender vor als in der Phase der Realisierung, denn du weißt, dass du erwacht bist. Und jetzt sollst du wieder spirituelles Futter fressen? Du bearbeitest wieder Themen, weil du glaubst, dass du noch etwas „lösen“ müsstest, dass du aktiv an irgendeiner Entwicklung arbeiten müsstest.

Das alles ist in höchstem Maß befremdend, verwirrend durch und durch und natürlich frustrierend. Die Trennung selbst ist nichts weniger als absolut entsetzlich.

Hättest du jemand gehabt, der dich darauf hingewiesen hätte, dass die Trennung kommt – und auch wieder geht, dann hättest du keine Sorgen gehabt, keine Ängste, und alles andere hättest du dir auch erspart. Keine Bearbeitung, kein Totalverlust des Selbstvertrauens, nichts.

Stell dir vor, du bist erwacht und bist dir dieses Zustandes schon seit Jahren bewusst. Die Spirale hast du schon lange hinter dir. Du lässt dir auch von niemand mehr einreden, dass du nicht erwacht bist. Nicht wirklich, nicht dauerhaft, du bist einfach nicht mehr manipulierbar. Du lässt dich vielleicht immer wieder einmal zu etwas hinreißen, wovon du natürlich im Vorhinein weißt, dass es totaler Unsinn ist. Aber du kehrst schnell wieder um und gehst wieder zu dir. Du siehst dich selbst glasklar, was dazu führt, dass du auch die anderen Menschen, die Gesellschaft und die Welt glasklar siehst. Dein Gespür, dein sechster Sinn, ist für dich normal. Während andere denken, vermuten und spekulieren, siehst du ganz einfach. Du hast und agierst aus dem Wissen der Ebene 4. Du bist dauerhaft mit dir selbst verbunden, mit deiner Gesamtheit, mit allem, was du bist. Du kennst Freude in einer Tiefe, von der die schlafenden Menschen keine Ahnung und keine Vorstellung haben.

Und doch hast du das Gefühl, dass etwas fehlt. Dass noch etwas wachsen oder vollständig werden muss. Das ist wirklich maximal verwirrend. Dein Leben verläuft nicht nach deinen Wünschen und Vorstellungen, du siehst Probleme in deinem alltäglichen Leben. Du glaubst aber, dass da keine sein dürften. Dinge, von denen du glaubst, dass sie eintreten müssten, treten nicht ein. Synchronizitäten, die du schon so lange und so gut kennst, bleiben aus bei den Fragen, die du als wesentlich für dein Leben erachtest.

Das Schlimmste daran ist, dass dich diese Erfahrungen davon abhalten, dir das volle Eingeständnis zu geben. Das Eingeständnis, dass du nicht nur vollständig erleuchtet sondern auch ein Meister bist. Das bist du nämlich, schon seit langem, aber du hältst dich angesichts deiner vermeintlichen Probleme zurück.

Was zum Kuckuck fehlt denn noch?! Was ist da los?! Wo zum Teufel ist meine Göttlichkeit?! Es gibt doch nichts mehr zu tun! Es ist doch schon alles da, alles getan! Was mache ich falsch?!
Diese und ähnliche Fragen stellst du dir. Es verwirrt dich total, dass ein längst erwachter Mensch wie du in so einer Situation stecken kann. Und nachdem du jetzt wirklich und endgültig völlig ratlos bist, tust du was? – Richtig, du suchst wieder Antworten bei den Erwachenden. Du stellst immer wieder fest, dass sie überhaupt keine Antworten für dich haben, was deine Verwirrtheit und deinen Frust ins Unermessliche steigert.

Alles, was dir fehlt, ist das Wissen, dass es die Phase der Anpassung gibt, die etliche Jahre dauert. Das menschliche Selbst und das göttliche Selbst lernen, miteinander umzugehen. Das menschliche Selbst, mit dem du dich primär identifizierst, lernt, auf göttliche Weise zu agieren, was viel, viel einfacher, eleganter und freudvoller ist. Und vor allem lernt es, alles in dieser Welt, und damit auch die menschlichen Probleme, aus der göttlichen Perspektive zu sehen. Und von dort sieht wirklich alles ganz anders und vor allem viel einfacher aus. Diese Anpassung dauert einfach!

Ich habe natürlich wieder einmal nichts von der Phase der Anpassung gewusst. Ich hatte keine Referenz, niemand hat es mir erzählt, ich habe es nirgendwo gehört oder gelesen. Nachdem ich realisiert hatte, dass es diese Phase gibt, zitterte ich am ganzen Körper und atmete noch tiefer als sonst. Ich konnte kaum meinen Kaffee trinken, weil meine Hand so zitterte. Und das ging gleich mehrere Tage so dahin. (Nicht ununterbrochen natürlich.) Mit einem Schlag war alles klar. Ich hörte augenblicklich auf, mir Sorgen zu machen, weil ich sah, wie dieser Anpassungsprozess vonstatten ging. Ich sah plötzlich, wie schön dieser Prozess ist. Ich änderte sofort meine Perspektive, das heißt, das passierte ganz einfach. Und aus dieser Perspektive war alles perfekt, alles in perfekter Ordnung.

Das vorbehaltlose Eingeständnis meiner Meisterschaft hatte ich mir zum Glück schon ca. neun Monate vor dieser finalen Erkenntnis gegeben. Aber natürlich geriet es wieder ein bisschen ins Wanken. Nach dem Erkennen der Anpassungsphase gab ich es mir noch einmal. Das war ganz automatisch, ich musste das nicht willentlich herbeiführen. Und nun steht es felsenfest, es ist nicht mehr zu erschüttern.

Nun gibt es auch keine Verwirrung mehr für mich – und für dich hoffentlich auch nicht.

Beitrag des Moments

Die Schöpfung ging weiter, das tut sie immer. Es gibt keinen Stillstand, und es gibt kein Zurück. Bewusstsein, nämlich das des Königs und der Königin und das von jedem von uns, ging einen großen Schritt vorwärts. Erstmals in der Schöpfung sollten wir das vorhandene Bewusstsein verlassen, über die Grenzen des bestehenden Bewusstseins hinaus gehen. Anders ausgedrückt: wir verließen Zuhause.