Was ist Illusion?

Reiners Blog

Menschen sprechen gerne und oft von Illusionen. Ich verwende dieses Wort auch gelegentlich, wenn auch deutlich weniger häufig als andere spirituelle Menschen. Sie sprechen auch gerne und oft von Wahrheit und von Realität. Das Wort Wahrheit verwende ich sehr selten, und jeder erwachende Mensch sollte sofort skeptisch werden, wenn er dieses Wort häufig hört oder liest.

Wenn ich das Internet nach der Bedeutung von Illusion durchsuche, erhalte ich die gängigen Vorstellungen von Illusion: „Falsche Deutung von tatsächlichen Sinneswahrnehmungen“, „falsche Wahrnehmung der Wirklichkeit“, „Selbsttäuschung über einen in Wirklichkeit anderen Sachverhalt“ usw. Dieses Verständnis von Illusion ist auch ganz folgerichtig, denn das Wort stammt vom lateinischen illusio ab, und das bedeutet Täuschung bzw. irrige Vorstellung.

Spirituelle Menschen verwenden das Wort Illusion häufiger als andere, weil sie vermeinen, zahlreiche Illusionen identifiziert zu haben. Im Grunde sei so gut wie alles, was Menschen bisher für wahr hielten, eine Illusion. Bis hin zu der Vorstellung, dass ich überhaupt existiere.

Worauf ich aber hinaus will, ist die Vorstellung, was Illusion bedeutet, was eine Illusion eigentlich ist. Denn da sind sich alle Menschen einig, ob schlafend, erwachend oder sonst was. Alle gehen davon aus, dass eine Illusion eine Täuschung sei. Es gäbe also auf der einen Seite die Illusion und auf der anderen Seite die Wahrheit oder Wirklichkeit oder Realität.

Ein paar Beispiele:

A sagt: „Da ist ein roter Fleck.“ B entgegnet: „Nein, da ist kein roter Fleck. Das bildest du dir bloß ein.“
A sagt: „Sieh mal, da ist eine Fee!“ B sagt: „Es gibt keine Feen.“
A: „Ich bin arm.“ B: „Armut ist eine Illusion. In Wahrheit bist du unendlich reich.“
A: „C liebt mich.“ B: „Ach was, du bist C vollkommen egal.“

A nimmt etwas wahr, B hingegen weist A darauf hin, dass A‘s Wahrnehmung eine Täuschung sei. Die Realität sähe anders aus. B (und wahrscheinlich auch A) gehen davon aus, dass auf der einen Seite die Wahrheit stünde, und auf der anderen Seite die Illusion. Es steht also immer Illusion gegen Wahrheit, Illusion gegen Realität.

Was für ein Irrtum!
Oder sollte ich besser sagen, was für eine Illusion? wink

Der rote Fleck ist Realität! Die Fee ist Realität. A‘s Armut ist Realität. A‘s Glaube, von C geliebt zu werden, ist Realität.

Mit anderen Worten, es gibt gar keine Illusionen! Alles, absolut alles, was von Menschen als Illusion bezeichnet wird, sind Realitäten! Sie sind genauso real wie das, was Menschen als Wahrheit oder Wirklichkeit bezeichnen. Es gibt kein Gegensatzpaar Wahrheit und Illusion. (So nebenbei, so ein Gegensatz bedingt ja die Vorstellung von und den Glauben an Dualität.)

Es gibt unzählige Realitäten. Wörtlich, unzählige. Jeder Mensch lebt ein bestimmtes Set von Realitäten, das üblicher Weise eher begrenzt ist. Es können also für einen durchschnittlichen Menschen durchaus verschiedene Realitäten wahr sein, auch wenn sie gegensätzlich zu sein scheinen.

Die Illusion besteht darin, zu glauben, dass eine bestimmte Realität, die man gerade erfährt, die einzig mögliche wäre. (Bzw. dass ein bestimmtes Set von Realitäten das einzig mögliche wäre.) Es fehlt also die Vorstellungskraft, dass gleichzeitig und parallel auch andere Realitäten vorhanden und möglich sind.

Eine Illusion ist also keineswegs eine Täuschung. Du erlebst, was du erlebst; du nimmst wahr, was du wahrnimmst. Das ist absolut echt und real. Du gehst lediglich üblicherweise davon aus, dass die von dir erlebte und wahrgenommene Realität die einzig vorhandene und einzig mögliche wäre. Und das ist ein Irrtum.

Du könntest zB wahrnehmen, dass dein Leben sehr schwierig und mühsam ist. Ich würde dir dabei keineswegs sagen, dass das eine Illusion sei. Nein, du nimmst es so wahr, es ist Realität. Ich würde dich allerdings darauf hinweisen, dass gleichzeitig und parallel ein leichtes und einfaches Leben in dir existiert. In dir nämlich, nicht irgendwo da draußen. Ich würde dir in einem Gespräch anhand von Beispielen zeigen, dass und wie du dich immer wieder für ein schwieriges Leben entscheidest.

Die Frage lautet also nicht, was ist wahr und was ist Illusion. Die Frage ist: welche der unzähligen Realitäten wählst du für dich? Jetzt. Und da sind wir wieder bei der wirklichen Illusion. Menschen glauben nämlich im Allgemeinen, sie hätten diese Wahl nicht. Also wählen sie ganz automatisch immer wieder die eine, kleine, begrenzte Realität. Die natürlich absolut real und echt ist.

Damit einher gehend wird an der Vorstellung, eine bestimmte Realität sei die einzig mögliche, ordentlich festgehalten. „Ich muss mich um meine drei Kinder kümmern und habe einen Job, sonst können wir nicht leben. Mein Ex zahlt keine Alimente und kümmert sich nicht um die Kinder. Er muss sich bewegen, er muss mitspielen, eine andere Möglichkeit gibt es nicht.“ (Auszug aus einem erlebten Gespräch.) Diese Frau hält nicht nur an ihrem schwierigen Leben fest, sondern auch gleich an anderem anderen Menschen, ihrem Ex, der mitspielen muss. Das sind die Bausteine für richtiges Unglück. Nachdem meine Gesprächspartnerin hartnäckig darauf bestand, dass es nur diese eine Möglichkeit gäbe, war sie für meine Impulse fest verschlossen.

Auf Facebook hat mir einmal jemand gesagt: „Für Erleuchtung muss man hart arbeiten. Man muss kämpfen, jeden Tag. Nur so hat man eine Chance, sie zu erlangen.“

In meinen Lehren habe ich über die Illusion des Erwachens geschrieben. Sie beinhaltet die Vorstellung, dass das Leben des Erwachenden immer leichter und immer einfacher würde, dass ihm immer mehr einfach zufliegen würde und aus ihm eine Superraupe würde.

Alle drei Beispiele sind keine Illusionen im gängigen Sinn. Meine Freundin erlebt ihre Realität (Kinder, Job, Ex) wirklich. Der Mann von Facebook erlebt seinen Kampf um die Erleuchtung wirklich. Die erwachenden Menschen erleben ihre Vorstellung vom Erwachen wirklich. Es ist alles ganz und gar real. Aber alle halten an ihren Vorstellungen fest, und dann beginnt es irgendwann, weh zu tun. Und dann kommen andere Menschen, die im Nachhinein sagen: „Siehst du, deine Annahme war eine Illusion.“ War sie aber nicht! Die Annahmen waren Realität, genauso real wie jede andere Realität. Sie war bloß nie die einzig mögliche, und erst das Festhalten an der ursprünglichen Annahme (und damit das Ausschließen von anderen Realitäten) führt zu schmerzlichen Erlebnissen.

 

Und schließlich noch ein Wort zur Wahrheit, die viele Menschen so gerne und so oft zitieren. Es gibt nur eine Wahrheit, nur eine einzige. Und die lautet: ich bin, ich existiere. Alles andere sind gewählte Realitäten, die so wahr und so echt sind, wie wir sie haben wollen.

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Es ist die Einfachheit, die zum Erwachen (= zur Erleuchtung) führt, kompliziert will es nur der Verstand. Das habe ich selbst in meinem Erwachensprozess immer wieder erfahren – und praktiziert. Viele Beispiele aus meinem eigenen Leben machen dieses Buch sehr nachvollziehbar, nicht zuletzt die Geschichte meiner eigenen Erleuchtung.

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Erwachende Menschen lieben es, sich das Leben schwer zu machen, sie schlagen einen schwierigen und herausfordernden Weg ein. Bereits erwachte bzw. erleuchtete Menschen tun das in vielen Fällen ebenfalls gerne. Schlafende Menschen tun das zwar auch, aber die glauben ja, dass das Leben eben schwer sei, und um sie geht es auf meiner Website auch gar nicht. Erwachende und erleuchtete Menschen leiden an den Schwierigkeiten in der Regel mehr als schlafende, weil sie in ihrem Inneren wissen, dass alles eigentlich sehr einfach ist – oder zumindest sein sollte.

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