Seele und ich

In den letzten Stunden ist mir ein Lied von Mark Anthony durch den Kopf gegangen, während ich andere Sachen gemacht habe. Schließlich habe ich es mir auf YouTube angeschaut. Und da war wieder dieses großartige Erlebnis: meine Seele war mit von der Partie und hat auch zugeschaut. Während mein menschlicher Teil Assoziationen zu den dargestellten Emotionen produzierte, erlebte mein göttlicher Teil diese Emotionen mit. Und ich wünschte so sehr, andere Menschen könnten nachvollziehen, was das bedeutet.

Wenn ich als Seele in die menschliche Erfahrung einsteige, dann ist alles großartig, mehr noch, es ist überwältigend! (Und diese Worte sind nur jämmerliche Krücken. Die Empfindung ist jenseits der menschlichen Sprache.) Das ist nicht zu vergleichen mit der Schönheit der menschlichen Gefühle, die das menschliche Selbst erlebt. Ich erlebe das in und mit einer Tiefe, die der Mensch nicht kennt. Jede Szene, jede Emotion, das ganze menschliche Leben sind einfach wwoooowwww!!! Dafür sind wir hergekommen auf diesen Planeten, und dafür haben wir uns für die Erleuchtung entschieden.

Die Seele bewertet nicht, aus dieser Perspektive erlebt sie jegliche Erfahrung ganz anders, sie erfährt immer nur die Schönheit und die Perfektion einer Erfahrung. Das menschliche Selbst bewertet ständig und andauernd, dadurch trennt es sich von der Seele. Und dadurch wird jede Erfahrung abgeflacht und verunstaltet.

Ich kann mir einen Film anschauen, Musik hören, andere Menschen treffen oder ihnen einfach nur zusehen, mit anderen Worten, ich kann eine beliebige menschliche Erfahrung machen, und erlebe das in meiner ganzen Tiefe. Diese Erlebnisse sind so heftig, dass sie mich manchmal überwältigen und ich im Moment nicht weiß, wie ich diese Erfahrung verarbeiten kann, und noch viel weniger, wie ich sie ausdrücken kann. Das passiert, wenn mein göttlicher Teil voll an der Erfahrung teilhat, also wenn mein ganzes Selbst, das menschliche und das göttliche, diese Erfahrung macht.

Das bedeutet verkörperte Erleuchtung. Das gesamte Wesen, das sich Mensch nennt, spielt mit dem Leben hier auf der Erde und macht die Erfahrungen, die hier möglich sind. Der Mensch vertschüsst sich nicht nach seiner Erleuchtung auf die andere Seite oder in die Wälder, nein, er bleibt hier und erfährt das irdische Leben in seiner vollen Größe und Tiefe. Nachdem das menschliche Leben so enorm reich ist, gibt es hier wahrlich viel zu erfahren.

Ich habe vor ca. fünf Jahren begonnen, bewusst Erfahrungen aus meiner seelischen Sicht zu machen. Und es haut mich nach wie vor aus den Socken. Ich habe alles aus einer anderen Perspektive erlebt und die ganze Tiefe mitgekriegt. Plötzlich waren Emotionen wunderschön, die ich früher einmal beiseite gestellt hatte, weil sie aus der rein menschlichen Perspektive eher störend sind, sie verstellen die Sicht und produzieren meistens Drama. Aber aus göttlicher Sicht! Das ist etwas ganz anderes! Dabei ist es so, dass mein menschlicher Teil diese Emotionen nicht miterlebt. Er ist eher der Vermittler, der dem göttlichen Teil zeigt, wie sich diese Emotionen anfühlen. Der menschliche Teil verfügt nämlich über die einschlägigen Erfahrungen. Und die Seele erfährt und erlebt das dann alles. Das ist der Hammer! Und mit dieser seelischen Erfahrung ist unendlich viel Liebe verknüpft, die haut mich dann noch einmal aus den Socken. Ach, ich weiß nicht, wie ich das beschreiben soll, so anders ist das.

Überhaupt sehe ich seit geraumer Zeit fast nur die Perfektion in allem. Einfach in allem. Sobald ich anfange zu bewerten, weil das mein menschlicher Teil so gerne tut, ist die Perfektion natürlich weg. Vor ca. dreieinhalb Jahren ist mir aufgefallen, wie anstrengend uns mühsam das Bewerten ist. Und zum Glück verkümmert dieser bewertende Teil zusehends. Und wenn ich schon bewerte, dann macht das sehr schnell eine größeren und umfassender Perspektive Platz. Ich würde ja gerne fast täglich auf Facebook posten, wie perfekt alles aus meiner Sicht ist. Aber die Menschen sind dann schnell gelangweilt von immer derselben Aussage. wink

Beitrag des Moments

Neben mir regnet es. Es ist Abend. Im Haus ist es warm, es ist beschaulich beleuchtet. Ich sitze mit meinem Notebook an meinem neuen, selbst gebauten Tisch direkt neben dem Fenster. Ich höre den Regen fast so deutlich, als ob ich draußen sitzen würde. Vor mir sitzt meine Katze auf dem Fauteuil, neben dem warmen Ofen. (Die Katze gehört mir natürlich nicht, aber sie ist trotzdem irgendwie mein Tier.) Es könnte kaum idyllischer und gemütlicher sein. Ich denke an mein Leben.