Revolutionen früher und heute

Im Fremdwörterlexikon finde ich unter dem Begriff Revolution folgende Erklärung: Umwälzung, grundlegende Änderung. Soweit meine Lateinkenntnisse noch ausreichen, ist Umwälzung die originalgetreueste Übersetzung des lateinischen Wortes Revolution. Soweit zur Wortbedeutung an sich.

Im Geschichtsunterricht und durch die Medien lernten wir, das Wort Revolution mit Gewalt bzw. Gewaltanwendung zu verknüpfen. Was fällt mir gerade so ein? Französische Revolution, amerikanische Revolution, russische Revolution, Revolutionsjahr 1848 in Europa, Kulturrevolution in China (besonders pikantes Wort für einen blutigen Feldzug), diverse Revolutionen in Lateinamerika usw. Das waren alles Kriege, die letztlich nur die herrschende Klasse austauschten. Einzig die amerikanische Revolution brachte eine echte Befreiung, aber die anderen? In Frankreich wurde das Königshaus durch eine blutige Gewaltherrschaft der Revolutionäre ersetzt, in Russland dasselbe, in China dasselbe.

Interessanter Weise werden friedliche Umwälzungen nicht als Revolution bezeichnet. Was war 1989 im ganzen realsozialistischen Osteuropa? Eine Revolution sondergleichen! Binnen Monaten haben sich Gesellschaften grundlegend gewandelt. Mit Ausnahme von Rumänien fiel kein Schuss, die zuvor herrschende Klasse wurde nicht hingerichtet. (Vergleich dazu: die amerikanische Revolution hat Jahrzehnte gedauert, es gab unzählige Tote.)

Die Gewalt ist aber nur ein Aspekt. Wesentlich wichtiger sind mir zwei weitere Aspekte bei der Betrachtung von Revolutionen. Erstens: Was war früher Grund und Ziel einer Revolution? Wie wurde sie durchgeführt? Der Grund war, dass bestimmte Menschen unzufrieden mit dem Herrschaftssystem im Heimatland waren.  Einzelne Schichten, in der Regel Minderheiten. Meistens Intellektuelle, häufig Studenten. In der Regel gab es dann einen Mann, der innerlich besonders stark brannte und Charisma hatte, dem es gelang, eine Revolution zu organisieren. Er konnte große Menschengruppen um sich scharen, Waffen und militärische Verbände organisieren. Irgendwann gab es den Angriff auf die Herrscher, die herrschende Schicht wurde ausgetauscht.

Was geschah näher betrachtet? Es gab Unzufriedenheit mit einem System, mit einer Form der Herrschaft und mit herrschenden Personen. Die Revolutionäre dachten, sie könnten eine bessere, lebenswertere Gesellschaft dadurch erreichen, ein anderes System einzuführen, eine andere Herrschaftsform und andere herrschende Personen an die Spitze zu setzen. Und sie glaubten sehr oft, das mit Gewalt tun zu müssen. Mit anderen Worten: nicht die Menschen sollten sich ändern, sondern das System. Die Menschen, auf die man den Zorn gerichtet hatte, sollten eliminiert werden. Es wurde versucht, der Gesellschaft ein anderes System überzustülpen, das die schöne, neu Welt bringen sollte.

Heute gibt es praktisch überall auf der Welt noch immer viele Menschen, die dieselben Motive und dieselben Ziele haben. Bloß die Mittel sind in den sogenannten Demokratien andere. Die Revolutionäre kämpfen darum, politische Mehrheiten zu bekommen. Dieser Kampf findet ohne Waffen statt. Aber es ist noch immer dasselbe: Die Revolutionäre sind unzufrieden mit dem System und den Herrschern, sie glauben zu wissen, wie das bessere System aussehen soll und kämpfen darum, die Herrscher abzulösen und der Gesellschaft ein neues System überzustülpen.

Aus der Geschichte nichts gelernt, kann ich da nur sagen. Irgendwie hat das nämlich noch nie vernünftig funktioniert, nicht auf diese Weise. Und diese Menschen übersehen, dass die größte, umfassendste, fundamentalste und radikalste Revolution aller Zeiten bereits stattfindet, dass sie voll im Gange ist!

Die heutige Revolution funktioniert anders als alle bisherigen. Ja, Menschen sind unzufrieden mit einem System oder mit Teilen des Systems. Und was machen sie? Sie bekämpfen es nicht und versuchen auch nicht, der Gesellschaft ein anderes System überzustülpen. Sie hören einfach nur auf, das System zu unterstützen! Das ist alles. Sie spielen bei den Spielen der Machthaber nicht mehr mit. Dadurch entziehen sie dem System ihre Energie, es wird schwächer und implodiert. Sehr einfach, sehr elegant, absolut wirkungsvoll, 100% gewaltfrei. Die Menschen handeln nach dem Motto der 68er-Generation: Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin. Genau das passiert jetzt, auf der ganzen Welt.

Was heißt das genau? Immer mehr Menschen halten sich nicht mehr an Gesetze, weil sie sie weder selbst gemacht noch ihnen zugestimmt haben. Für einen souveränen Menschen nahezu eine Selbstverständlichkeit. Oh, diese Leute sind keine Verbrecher! Ganz im Gegenteil! Sie würden nie etwas tun, was einem anderen Menschen schaden könnte, dazu sind sie viel zu bewusst und kennen den Wert des Lebens. Eben deshalb ignorieren sie immer mehr Gesetze. Sie sagen sich zB: „Ich bezahle keine Steuern mehr, die nur dazu verwendet werden, das Geld den Bankern in den Arsch zu schieben.“ Oder: „Ich lasse mich von keinem Menschen mehr überwachen, nur damit der dann weiter versuchen kann, mich zu steuern.“ Man schaue nur nach Deutschland, wo es immer mehr Menschen gibt, die sagen, dass dieser Staat nicht der ihrige ist und sich unter Selbstverwaltung stellen, ihren eigenen Staat gründen. Freilich gibt es viel mehr Menschen, die weniger plakativ etwas sehr Ähnliches tun.

Andere Menschen hören auf, bestimmte Produkte zu kaufen und entziehen dadurch ihre Energie den entsprechenden Lobbys. Andere zahlen ihre Bankschulden einfach nicht mehr zurück. Usw. usf. Ich könnte viele Beispiele aufzählen.

Aber vor allem passiert Folgendes: Eine mittlerweile große Menge von Menschen hat aufgehört, zu denken, was sie denken sollen. Sie glauben einfach nicht mehr, was ihnen erzählt wird. Sie haben aufgehört, das Massenbewusstsein zu nähren. Und dadurch bricht es zusammen.

Menschen werden souverän, sie werden eigenmächtig. Sie lassen nicht mehr zu, dass irgendjemand über sie herrscht und über sie bestimmt. Sie lassen sich nicht mehr bestehlen und für dumm verkaufen. Dadurch nähren sie die bestehenden Systeme nicht mehr, und dadurch brechen sie zusammen.

Auf der anderen Seite haben diese Menschen keine Rezepte für neue Systeme in der Tasche. Das kann auch nicht sein, denn wir beginnen etwas völlig Neues, etwas, das es noch nie gegeben hat. Aber diese Menschen haben ein untrügliches Gefühl dafür, was Machtausübung ist und was nicht, was das Leben unterstützt und was nicht, was Menschen in Abhängigkeit hält und was sie in ihre Freiheit führt. Also wissen sie in jedem Moment ganz genau, wo sie mitspielen und wo nicht. Und in ihren Familien und Freundeskreisen haben sie längst begonnen, souveräne Alternativen zu leben. Diese Alternativen sind dann schon da, wenn die kritische Masse an souveränen Menschen erreicht ist und das Gesellschaftssystem kippt.

Es gibt in der Geschichte ein schönes Beispiel für so eine Revolution, nämlich Mahatma Gandhis passiver Widerstand in Indien. Die Menschen haben nicht gekämpft, sie haben bloß aufgehört, die Anweisungen der Machthaber zu befolgen. Und plötzlich waren die Machthaber machtlos und mussten abziehen. Die jetzige Revolution passiert nicht genau so, aber das Prinzip ist sehr ähnlich. Machthaber, die niemand mehr haben, der ihre Anweisungen befolgt, sind keine Machthaber mehr. So einfach ist das.

Nun zum zweiten Aspekt der heutigen Revolution. Schauen wir noch einmal auf die früheren Revolutionen. Menschen sind unzufrieden mit Systemen, Herrschaftsformen und Herrschern und wollen diese drei ändern. Das ist alles im Außen! Das System ist außerhalb von mir, die Herrschaftsform und die Herrscher. Die heutige Revolution findet nicht außen statt, sondern innen. Immer mehr Menschen stellen fest, dass sie selbst für ihr Leben verantwortlich sind, niemand anderer. Also schauen sie nach innen – und werden bewusst. Ein Mensch, der sich selbst erkannt hat, erkennt automatisch die Spiele der anderen und hört automatisch auf, diese Spiele mitzuspielen.

Die heutige Revolution ist eine Revolution des Bewusstseins, sie findet im Innen statt. Es geht nicht um Konzepte und Rezepte, schon gar nicht um bessere oder schlechtere Konzepte. Es geht einzig und allein um Bewusstwerdung! Ein bewusster Mensch übernimmt die Verantwortung für sich und lässt sich weder beherrschen noch steuern. Deshalb sind erwachte Menschen von den Vertretern des alten Bewusstseins so gefürchtet. Ein verändertes Bewusstsein zieht ganz automatisch andere Systeme und Gesellschaftsstrukturen nach sich. Das heißt: die Systeme, die Revolutionäre alten Stils verändern wollen, fallen automatisch zusammen, man muss sie nicht bekämpfen. Im Gegenteil, der Kampf macht diese Systeme nur noch stärker, kurzfristig, weil ihnen durch den Kampf Energie zugeführt wird.

Heißt das nun, dass die Tätigkeiten der Menschen, die nach Außen gerichtet sind, die sich für andere Systeme einsetzen, unnötig, unnütz oder gar kontraproduktiv sind? Nein, das heißt es nicht. Denn diese Menschen sorgen dafür, dass Lügen, Falschspiele oder überhaupt Machtspiele enttarnt und somit einer großen Anzahl von Menschen bekannt werden. Solcherart wird es vielen Menschen möglich, bewusster zu werden und aufzuhören, alle die Lügen zu glauben. Und man kann davon ausgehen, dass ALLES aus den traditionellen Medien, von Politikern und Wirtschaftsbossen Lügen sind. Auch wenn sie sich oft selbst dieser Lügen gar nicht bewusst sind.

Die Menschen, die stark nach Außen gehen und Systeme verändern wollen, sollten sich bloß dessen bewusst sein, dass sie durch politische Anstrengung die Systeme nicht ändern. Sie verändern sie durch die Bewusstseinsarbeit, die sie leisten. Und sie ändern sie in eine Richtung, die sie selbst überraschen wird.

Schließlich fällt mir noch ein dritter, wichtiger Aspekt der heutigen Revolution ein. Die Revolution von heute richtet sich gegen nichts, sondern nur für etwas. Sie richtet sich gegen kein System, sie führt keinen Kampf. Die Revolution findet statt, weil sich Menschen für das Leben entscheiden, für Bewusstheit, weil sie souverän werden. Damit bricht automatisch alles zusammen, was mit Macht, Abhängigkeit, Diebstahl, Steuerung und Einschränkung zu tun hat.

Die Revolution von heute ist anders, neu und kann nicht verlieren. Ein bewusster Blick in die Welt zeigt das überdeutlich.

Beitrag des Moments

Letzte Nacht hatte ich einen, hm, naja, schlimmen aber auch irgendwie schönen Traum. Einen Alptraum mit erfreulichem Aspekt. Obwohl mir der Traum in der Nacht sehr bewusst war, sind mittlerweile viele Details verblasst. Aber das Wesentliche ist da.