Phasen der Unzufriedenheit

Du kennst das sicher: Am Morgen ist alles ganz normal. Vielleicht sogar besser, vielleicht bist du richtig gut drauf. Und irgendwann später passiert etwas, wahrscheinlich nur eine Kleinigkeit, und du ärgerst dich darüber. Du ärgerst dich richtig, irgendetwas an dieser Kleinigkeit geht ganz tief. Deine gute Laune ist weg. Und dann kommt gleich noch etwas, wieder eine Kleinigkeit, und du ärgerst dich noch mehr.

So geht es dann weiter. Es passiert nicht andauernd etwas, das dich ärgert, aber jetzt bist du schon in einer Stimmung der Unzufriedenheit, und zwar einer tiefen. Alles, was du tust und wahrnimmst, ist nur mehr so lala, deine Unzufriedenheit ist einfach vorherrschend. Dein Hirn kramt gleich alle möglichen Dinge hervor, die dich unzufrieden machen, und so wächst deine Unzufriedenheit. Schon nach kurzer Zeit ist dein Tag richtig Scheiße. Und dann passiert wieder etwas, das dich ärgert. Du bist in einer ärgerlichen Stimmung, und da passieren dir Hoppalas, die dir sonst nicht passieren. Du lässt etwas fallen, stößt etwas um, du stolperst … Dinge in dieser Art.

Es kann einfach alles sein, was deinen Ärger hervorruf und wachsen lässt. Du suchst etwas und findest es nicht; jemand spricht dich unfreundlich an; oder jemand schaut dich nur schief an; am Essen passt etwas nicht; jemand oder etwas lärmt usw. usf. Und am meisten ärgert es dich, dass dein Tag jetzt verschissen ist, der doch so gut begonnen hat; dass du nicht mehr in eine gute Stimmung findest. Du spürst einfach nebst deinem Ärger, der eher in Schüben kommt und relativ kurz anhält, eine tiefe Unzufriedenheit in dir.

Die übliche Reaktion in solchen Situationen ist, dass ein Mensch versucht, diese schlechte Stimmung irgendwie loszuwerden und wieder gute Laune zu bekommen. Die Unzufriedenheit und der Ärger werden als Störung empfunden, die nicht hierher gehört. Nicht in das System eines bewussten Menschen! Und was da vor sich geht, ist wohl klar: es ist ein Kampf, Mensch gegen Störung. Doch bei Kämpfen gibt es nur Verlierer. In aller Regel gelingt es dir nicht wirklich, die Unzufriedenheit loszuwerden, nicht auf diese Art.

Sieh dir die ganze Sache aus einer anderen Perspektive an. So eine Phase der Unzufriedenheit ist in Wahrheit ein Geschenk! Du selbst hast dich mit Situationen, die dich ärgern, beschenkt, um dich auf etwas aufmerksam zu machen. Dein Ärger ist doch in Relation zu den Dingen, die dir passieren, unverhältnismäßig groß, nicht wahr? Und er ruft diese tiefe Unzufriedenheit hervor. Sie zeigt dir, dass etwas nicht in Ordnung ist. Nach deiner höchstpersönlichen Sicht und Einschätzung ist in deinem Leben etwas nicht in Ordnung. Wenn du schon lange in deinem Prozess des Erwachens bist, kannst du davon ausgehen, dass die Seele dir sagt, dass in deinem menschlichen Leben etwas verändert gehört. Also bekämpfe die „Störung“ nicht, schiebe sie nicht weg, sondern schau sie dir an, schau sie dir genau an.

Was steckt dahinter? Was liegt darunter? Die Anlässe des Ärgers sind nur die Oberfläche. Was ist es, das dich mit deinem Leben unzufrieden macht? Halte dich nicht mit Details auf, schau dir die großen Dinge an. Die Großwetterlage sozusagen. Letztlich zeigt dir die tiefe Unzufriedenheit immer, dass du nicht eins mit dir selbst bist. Aber schau dir die konkrete Sache genau an. Was ist die konkrete Qualität deiner Unzufriedenheit? Wenn ich sage, schau dir alles genau an, meine ich natürlich: fühle es, spüre es.

Normalerweise kann es nicht lange dauern, bis du die konkrete Qualität und die konkreten Gründe für deine Unzufriedenheit kennst. Sobald du aufgehört hast, gegen sie zu kämpfen, offenbart sie sich dir schon. Und normalerweise sind es nur sehr wenige Gründe, die du entdeckst.

Und nun bist du dort, wo du hin gehörst: du bist an einem Punkt der Wahl oder der Entscheidung. Die kleinen Zwischenfälle erzeugten deinen Ärger. Dein Ärger brachte die tiefe Unzufriedenheit ans Licht. Sie zeigte dir, dass etwas nicht in Ordnung ist. Du erkanntest das Geschenk und schautest dir an, was nicht in Ordnung ist. Du erkanntest es schnell und hast jetzt eine große Chance. Die Chance, diese Dinge in Ordnung zu bringen. Mit deiner Entscheidung.

Dazu diente die ganze Sache. Das ganze Brimborium mit den unerwünschten Zwischenfällen, deiner schlechten Stimmung und deinem versauten Tag diente dazu, dir zu zeigen, dass und was nicht in Ordnung ist, und dich dazu zu bringen, eine Entscheidung zu treffen. Eine Entscheidung für dich, nicht für irgendetwas oder irgendjemand.

Und wie sieht jetzt dein anfänglicher Ärger aus? wink

Freilich, wenn du nicht entscheidest, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die nächste Phase der Unzufriedenheit kommt. Die ist dann wahrscheinlich heftiger, um dich endlich wach zu rütteln.

Ich hatte gestern so einen Tag. Am Anfang war alles großartig, ich hatte einiges vor, und das Wetter spielte mit, wie ich es mir nur wünschen konnte. Nach ein paar Stunden begann das Spiel mit den Ärgernissen. Nachdem ich grundsätzlich schon deutlich anders drauf bin als fast alle anderen Menschen, fiel mir die Unzufriedenheit nicht gleich auf, es gab dazwischen einfach zu viele Anlässe zur Freude. Aber irgendwann fiel sie mir auf, und eine Zeit lang verhielt ich mich wie ein Depp, wie ein schlafender Anfänger. Doch dann kam ich doch an den Punkt, an dem ich mir sagte: „Moment mal! Jetzt verbringe ich da den Rest dieses schönen Tages schlecht gelaunt? Das kann es doch nicht sein! Da steckt doch etwas dahinter! Ich weiß, dass da ein Geschenk für mich liegt.“ Und schon nach kurzer Zeit habe ich es gesehen. Und so wurde aus diesem Tag ein sehr guter Tag. smiley

Beitrag des Moments

Sowohl Tobias als auch Kryon verwendeten – wie so oft – dasselbe Bild: die Brücke. Der Gang über die Brücke ist das Übersetzen von der dualen Energie in die Neue Energie, der Wandel vom menschlichen, dualen Selbst zum neuenergetischen, göttlichen Selbst. Beide beschreiben, wie schwierig und herausfordernd dieser Gang sei. So herausfordernd wie nichts, was wir jemals erlebt hätten. Kryon nannte es nur die Brücke, Tobias nannte es die Brücke der Schwerter.