Ich will mehr!

In den letzten Monaten habe ich so manches darüber geschrieben und gesagt, wie gut es mir geht. Das stimmt auch. Ich bin erwacht, fertig mit an mir arbeiten, angekommen, vollständig, bewusst, dramafrei usw. usf., was halt so alles dazu gehört. Ich bin frei, ich weiß, was Freiheit ist. Und das bedeutet etwas ganz anderes und viel mehr, als die meisten Menschen glauben. Mittlerweile habe ich sogar wieder Geld, ohne zu arbeiten und ohne Sozialleistungen in Anspruch zu nehmen. Ich lebe in einem wunderbaren Heim mit Menschen, die pures Neues Bewusstsein leben. Und so nebstbei, es zu leben bedeutet etwas ganz anderes als zu wissen, was es ist. Mit anderen Worten, ich lebe das, wovon Shaumbra immer träumten. Ich genieße Wohlstand in allen Bereichen.

Und doch … da ist etwas. Etwas sagt, da stimmt was nicht. Ich sehe mir meine Freiheit an. Und was sehe ich? Ich weiß wirklich, was Freiheit ist. Und ich bin viel freier als die meisten Menschen, freier, als sie sich überhaupt vorstellen können. Aber ich bin nicht frei! Es ist wie mit allen Dingen. 99,99% frei ist nicht frei. Punkt. Da gibt es nichts zu rütteln. Ich will die Freiheit, die ich in meinem tiefsten Inneren kenne, und die sich mittlerweile den Weg in das alltägliche Wachbewusstsein gebahnt hat.

Mein Leben betrachtend habe ich heute festgestellt: Ich will mehr! Und ich will nicht bloß mehr, ich will viel mehr. Viel, viel mehr.  Ich habe immer noch Begrenzungen in meinem Denken und folglich in meinem Tun. Diese Begrenzungen zeigen sich in meinem Leben. Ich will viel mehr! Viel mehr Fülle, viel mehr Freude, viel mehr Leichtigkeit, viel mehr … alles! Ich kann es nicht bekommen, wenn ich es nicht will. – Mir fällt gerade Adamus ein, der vor ein paar Monaten Shaumbra gefragt hat, was sie wollen. Um darauf zu antworten, dass sie es nicht wollen, denn wenn sie es wollten, hätten sie es schon. Und das ist verdammt richtig!

Also habe ich mir heute einmal eingestanden, dass ich viel mehr will. Ich meine nicht, dass ich einen Wunsch formuliert habe, von dem ich hoffe, dass er in Erfüllung geht. Das ist Opferhaltung. Nein, ich habe einmal wahrgenommen, dass ich mehr will, und ich habe das mir gegenüber klar ausgesprochen.

Vor ein paar Tagen hatte ich ein kurzes, aber sehr inspirierendes Gespräch mit Joya. Sie musste dieser Tage ähnliche Wahrnehmungen gehabt haben wie ich. Im Gegensatz zu mir hatte sie nie wirkliche Probleme mit Geld, aber sie kann auch keine beliebig großen Sprünge machen. Sie sah ihre Begrenzungen und sagte sinngemäß: „Es geht einfach nicht darum, ein paar hundert Euro hier oder dort zu haben und auszugeben. Dieses ganze Kümmern, ob Geld für eine beliebige Angelegenheit reicht, ist einfach nicht mehr angemessen! Es passt nicht mehr zu unserer Größe!“ Nicht mehr angemessen, das waren die Worte direkt aus meinem Herz. Es ist einfach nicht mehr angemessen, auch nur eine Sekunde lang einen Gedanken an irgendeine Begrenzung zu verschwenden!

Und was mich betrifft, so habe ich es auch satt, immer wieder darauf zu vertrauen, dass alles Nötige schon da sein wird, wenn ich es brauche. Das habe ich mit Joya übrigens auch besprochen. Es geht nicht ums Brauchen, sondern darum, dass alles einfach selbstverständlich da ist, und zwar immer, nicht erst dann, wenn ich es brauche. Die genannte Herangehensweise funktioniert zwar sehr gut, aber sie ist auch nur ein Glaubenssystem. Ich lag vor ein paar Stunden im Bett und dachte und fühlte. Und da fiel mir ein Vergleich ein. „Wenn ich will, kann ich jetzt aufstehen, die Stufen vom Bett hinunter steigen, hinüber ins Haupthaus gehen und dort irgendwas tun. Ich kann das jederzeit tun, weil ich einen gesunden Körper und funktionierende Beine bereits habe! Ich muss nicht darauf vertrauen, dass ich sie dann in ein paar Minuten haben werde, weil ich sie jetzt noch nicht habe.“

Das ist der Punkt. Ich will alles, was ich jemals wollen könnte, bereits haben! Ich will aus der Fülle aller Möglichkeiten heraus leben, ohne einen einzigen Mangel. Nicht im Mangel agieren und darauf vertrauen, dass die Fülle da sein wird. Das tut sie zwar, wenn ich nicht allzu sehr im Weg stehe, aber das ist mir zu wenig. Das ist nicht mehr angemessen.

Durch das Agieren im Mangel konnte ich Freiheit üben. Ich konnte üben, mich durch Mangel nicht begrenzen zu lassen und das zu tun, was meine innere Stimme sagte. Das war eine gute Übung, denn dadurch bin ich erst zur wirklichen Freiheit gekommen. Meine verrückten Aktionen kann jeder auf dieser Plattform nachlesen. Aber das ist Vergangenheit! Das ist heute nicht mehr angemessen!

Ich erinnere mich an ein weiteres Gespräch mit Joya. Und zwar an das allererste, am Tag meiner Ankunft im Grünhexenland letzten September. Joya bezog sich auf meinen damaligen Blog und vor allem auf meine Aussage, dass ich mit Menschen zusammen sein möchte, die mich wirklich verstehen und die ich auch verstehe. Ich hatte damals das ewige Fragen und Erklären meiner Handlungsweise satt. Sie sagte: „Da willst du aber die S-Klasse.“ (Für alle, denen das nichts sagt:  Mercedes nennt seine allerbesten und allerteuersten Autos S-Klasse.) Und ich antwortete: „Ja! Warum sollte ich weniger wollen?“ Darauf Joya: „Ja, eh.“

Und so ist es. Ich will verdammt noch mal kein bisschen weniger als die verdammte S-Klasse! Und wahrscheinlich noch ein bisschen mehr. Wenn ich mir mein – glückliches – Alltagsleben so anschaue, merke ich, dass ich andauernd glücklich bin mit dem, was ist. Bis auf ein paar kleine Momente zwischendurch. In letzter Zeit nagen diese kleinen Momente immer mehr. Und heute sage ich: ICH WILL MEHR! Meine innere Stimme schreit mich schon wieder an, weil ich sie zu lange nicht hören wollte. Und ich weiß, dass der Schöpfer sich nicht in die Hängematte legt und darauf wartet, was so alles vorbei kommt. Das ist ein feiner Zustand für 90 oder 99% der Zeit. Aber ab und zu muss er etwas willentlich erschaffen, und vor allem einmal wollen.

Du spürst vielleicht eine gewisse Wut in meinen Zeilen. Die ist auch da. Und ich mag diese Wut, sie hat mich auch zum Erwachen gebracht. Wenn Wut kein Dauerzustand ist, kann sie ein wunderbarer Energiebeweger sein. Ich will mehr!

Beitrag des Moments

Gestern hat mich ein Buch dazu inspiriert, über den Tod nachzudenken. Memento mori, gedenke zu sterben, gedenke, dass du sterblich bist. Am späten Nachmittag dachte ich beim Lesen etwas darüber nach. Am Abend legte ich das Buch zur Seite und dachte weiter, schließlich schrieb ich in mein Tagebuch.