Herzinfarkt, Schlaganfall und andere Kuriositäten

Reiners Blog

Vor sieben Jahren und nicht ganz zehn Monaten habe ich hier in meinem Blog über etwas geschrieben, das sich für mich anfühlte wie ein Herzinfarkt. Ich hatte plötzlich wie aus dem Nichts starke Schmerzen im Brustkorb, im Herz-Lungen-Bereich, die wirklich heftig waren. Dazu starke Schmerzen im linken Oberarm, die sich anfühlten wie die verlängerten Schmerzen im Herz.

Ich habe darüber geschrieben, was sich in mir abspielte, welche Gedanken mir in den Kopf kamen, wie ich mit den Schmerzen umgegangen bin und dass ich bei der ganzen Sache nie wirklich das Vertrauen in mich verloren hatte. Die ganze Sache dauerte etwas über einen Tag, die Schmerzen wurden dabei nie leichter. Sie waren kontinuierlich heftig vorhanden und machten mich nahezu bewegungsunfähig.

Irgendwann heuer hatte ich genau dasselbe wieder, mit dem einen Unterschied, dass der Spuk weniger lang dauerte; vielleicht einen halben Tag. Im Lauf der letzten zwei Jahre hatte ich zumindest zweimal im Grunde das Gleiche, allerdings deutlich weniger heftig und ebenfalls kürzer.

Ich hatte also seit Jänner 2012 zweimal etwas, was jeder Arzt sofort als Herzinfarkt klassifizieren würde. Die Internet-Recherche hat es mir bestätigt, eindeutige Symptome eines Herzinfarkts.

In den letzten Tagen sorgte ich für Abwechslung. Am späten Mittwochabend, kurz nach Mitternacht, stand ich von meinem Schreibtisch auf und hatte im selben Augenblick einen heftigen Schwindelanfall. Mit heftig meine ich wirklich heftig, ich konnte mich kaum noch bewegen. Ich schaffte es bis zum nahegelegenen Küchentisch, um mich sofort wieder hinzusetzen. Im Sitzen hörte der Schwindel nicht auf, aber er war erträglicher, ich fühlte mich sicherer, weil ich nicht mehr umfallen konnte.

Davor hatte ich mich mit Dem Wandel beschäftigt, einer politischen Partei, die wirklich andere, neue Wege einschlägt und morgen sicher nicht den Sprung ins Parlament schafft. Sie war ja in den Massenmedien nicht präsent, weil sie eben noch nicht im Parlament ist. (Was ich, so nebenbei, hochgradig undemokratisch finde.) Meine erste Assoziation war also: „Hui, der Wandel macht sich bei mir schnell bemerkbar und bringt in meinem Kopf alles durcheinander!“

Aber schnell kamen zum Schwindel weitere Symptome. Mein ganzer linker Arm wurde taub und immer tauber. Dann auch die Zunge. Meine Augen spielten sowieso verrückt. Woran denkst du bei solchen Symptomen? Richtig, an einen Schlaganfall. Meine heutige Recherche im Internet bestätigte auch das.

Ich war noch über eine Stunde auf und dachte dann: „Das ist aber ein Schlaganfall in Zeitlupe.“ Zwischendurch wurde der Schwindel etwas leichter, ich konnte kurze Wege zurücklegen, aber nicht, ohne mich immer anzuhalten. Und danach wurde er schnell wieder stärker. Die Taubheit im linken Arm und in der Zunge hielten an.

Bemerkenswerter Weise schaffte ich es, mir die Zähne zu putzen. Ich hielt einen maximalen Fokus auf diese Tätigkeit und brachte alle Konzentration auf, zu der ich fähig war. Das ging dann ganz gut. Beim Schlafengehen war mir etwas mulmig. Was würde ich tun, wenn der Schwindel im Liegen anhalten würde? - Dem war aber nicht so, ich konnte normal schlafen.

Am nächsten Tag, also vorgestern, Donnerstag, war zunächst alles normal. Ich stand auf, ging herum, machte Frühstück und fühlte mich wohl. Doch kurz nach dem Frühstück ging es plötzlich wieder los. Derselbe Schwindel, derselbe taube Arm, dieselbe taube Zunge. Wie schon bei meinem „Herzinfarkt“ war auch jetzt bei meinem „Schlaganfall“ mein Verstand total ratlos und hoffnungslos überfordert. Gleichzeitig natürlich über die Maßen aktiv. Verständlich, er will immer helfen. Bloß weiß er nicht, dass er in den wirklichen Dingen des Lebens nichts beitragen und schon gar nichts lösen kann. Mir fiel nur ein, dass zwei mir nahestehende Menschen vor ca. drei Monaten einen Schlaganfall hatten, was mich aber auch nicht weiter brachte.

Es ging den ganzen Donnerstag so weiter. Allerdings gab es zwischendurch Phasen der Erleichterung, ich konnte sogar kurz ein paar notwendige Sachen einkaufen. Das war aber anstrengend. Am Tag zuvor hatte ich begonnen, einen Deckenventilator mit neuer Lampe zu montieren, was ich an diesem Tag fertigstellen wollte. Dazu hätte ich aber auf einen Tisch steigen und über Kopf arbeiten müssen, und das war definitiv unmöglich. Mein Schwindel hätte mich sofort auf den Boden geholt, ich hätte mich verletzt, und mein linker Arm war unbrauchbar.

Am späten Abend war alles genauso heftig wie am Abend zuvor. Ich dachte eigentlich nur daran, dass ich in nächster Zeit wohl keinen Deckenventilator und keine Lampe haben würde, und dass ich auch keinen Leichten Weg machen konnte mit diesem Schwindel.

Aber ich schlief wieder gut. Gestern stand ich auf und spürte einen ganz leichten Schwindel. Vorsichtig machte ich mein Frühstück und merkte schon, dass sich der Schwindel zurückgezogen hatte. Auch nach dem Frühstück war nichts zu bemerken. Arm und Zunge waren nicht mehr taub. Wie schon beim „Herzinfarkt“ probierte ich einige Bewegungen aus, alles war in Ordnung. Später dann montierte ich den Deckenventilator fertig, ohne Probleme. Der Spuk war wieder einmal vorüber. Und heute ist natürlich auch alles in Ordnung.


Am 10. Juli schrieb ich Folgendes aus Facebook:

Seit gestern ist mein Leben um eine Dimension reicher.

Heute Früh hat es an meiner Tür geläutet, ein schöner, neuer Klang, und auch schön laut. Bloß habe ich gar keine Türklingel, man muss anklopfen.

Gestern Früh weckte mich das Bimmeln meines Handys auf. Ich merkte gleich beim Aufwachen, dass es so einen Klang auf meinem Handy gar nicht gibt.

Letzte Nacht, es war gerade noch finster, weckte mich ein Geräusch aus dem Wasserglas neben meinem Bett. Es klang, als ob ein winzig kleiner Frosch darin herumstrampeln würde. Ich habe kurz nachgeschaut, aber da war nichts.

Und weiter:

Alle diese Geräusche sind total real, laut und deutlich. Sie klingen nicht nach Einbildung. Ich nehme gleichzeitig und parallel verschiedene Realitäten wahr. Und das finde ich total spannend.

Dieser Absatz schafft wieder eine schöne Verbindung zu meinem letzten Blogeintrag.


Nun, warum erzähle ich das alles? Warum schreibe ich über solche Dinge, die ich genauso gut für mich behalten könnte? Will ich damit zeigen, was ich für ein Superheld bin, der sogar schwerste körperliche Missstände locker wegsteckt und hinter sich lässt? Immerhin hätte ich nach der Diagnose der Internet-Ärzte schon zwei Herzinfarkte und einen Schlaganfall gehabt, was zumindest schwer lebensbedrohlich wäre.

Nein, das will ich natürlich keineswegs. Ich schreibe deshalb über solche Dinge, weil ich weiß, dass ich nicht der einzige bin, der solche Erfahrungen macht. Und weil ich weiß, dass es auf diese Menschen beruhigend wirkt, wenn sie erfahren, dass sie nicht die einzigen sind, die höchst unangenehme körperliche Symptome erleben und Wahrnehmungen haben, die sie laut gängiger Realitätsauffassung nicht haben dürften. Ich höre in meinen Gesprächen nach wie vor immer wieder, dass erwachende Menschen glauben, sie seien verrückt und sollten sich in psychiatrische Behandlung begeben. Deshalb schreibe ich über solche Dinge.

Dennoch möchte ich diesen Beitrag keinesfalls als Aufforderung verstanden wissen, Arzt- oder Krankenhausbesuche zu meiden, wenn sie dir notwendig und/oder hilfreich erscheinen. Ich selbst würde keine Sekunde lang zögern, die Rettung anzurufen und mich ins nächste Spital bringen zu lassen, sobald ich spüre, dass das jetzt angebracht ist. Bloß war das halt in allen Beispielen nicht der Fall. Ich habe ein untrügliches Gespür dafür, wann mir ein Arzt helfen kann und wann nicht; wann er nur noch größere Verwirrung stiften würde. Aber jeder erwachende Mensch, der weniger Vertrauen in sich selbst hat als ich in mich, sollte im Zweifelsfall zum Arzt gehen. Bloß von Besuchen bei Psychologen und Psychiatern würde ich dringend abraten.

Teilen

Kommentare

Lieber Reiner, es tut gut zu hören, dass solch höchst unangenehme körperlichen Symptome auftreten. Ich kenne diese Schmerzen in der Brust, Taubheitsgefühle in Zunge und Gliedmaßen, absolute Schwindelgefühle und viele andere unangenehmen körperlichen Symptome bis hin zu Stürzen mit Knochenbruch. Doch jetzt endlich vertraue ich MIR als GANZEM und liebe mich auch als ganzes Wesen. So schön, dass ich auf Deine website gefunden habe! Irene Margarete

Buchtipp

Noch mehr Leben: Backcover Amazon

Das alte, „normale“ Leben hatte viele Aspekte, die sich in ihrem Kern auf sehr wenige reduzierten. Letztlich ging es immer um Facetten des Überlebens, die alle auf demselben Muster basierten. Das neue, wirkliche Leben zeigt sich in vielen Aspekten, denen die alten Muster fehlen. Spiel (neu) versus Kampf (alt), Kreativität versus Konsum, groß denken versus klein denken, Einfachheit versus Kompliziertheit usw.

Gespräch

Der leichte Weg zu dir

Erwachende Menschen lieben es, sich das Leben schwer zu machen, sie schlagen einen schwierigen und herausfordernden Weg ein. Bereits erwachte bzw. erleuchtete Menschen tun das in vielen Fällen ebenfalls gerne. Schlafende Menschen tun das zwar auch, aber die glauben ja, dass das Leben eben schwer sei, und um sie geht es auf meiner Website auch gar nicht. Erwachende und erleuchtete Menschen leiden an den Schwierigkeiten in der Regel mehr als schlafende, weil sie in ihrem Inneren wissen, dass alles eigentlich sehr einfach ist – oder zumindest sein sollte.

E-Mail

FrAntworten

Das Wort Frantwort ist eine Kurzform für Frage und Antwort, oder Frage und Antwort. Darüber hinaus bedeutet es auch, dass in der Frage die Antwort bereits enthalten ist. (Sofern es sich um eine aufrichtig gestellte Frage handelt.) Also Frantwort.
Im Klartext: Du stellst mit eine Frage per E-Mail, ich gebe dir eine Antwort, auch per E-Mail. In der Regel fällt es dir nicht auf, dass deine Antwort bereits in deiner Frage enthalten ist, sonst würdest du mir ja die Frage nicht stellen. Mir fällt es aber auf, und meistens auch noch etwas mehr

Dein Raum

Dein persönlicher Lernraum

Dein persönlicher Raum zum Lernen und zum Expandieren – kurz Dein Lernraum – ist ein sicherer Raum für dich, in dem du dich inspirieren lässt, einfach da bist, deine Erkenntnisse gewinnst und wächst.