Es nervte wieder einmal

Diesmal war es anders als in meinem letzten diesbezüglichen Blog. Oder doch nicht?

Gestern Abend (also Dienstagabend für mich) gestand ich mir einmal unumwunden ein, dass ich seit ein paar Wochen schlecht drauf bin. Nicht die ganze Zeit, aber jeden Tag wieder. Ich kann auch nicht sagen, ob zur Hälfte des Tages oder mehr oder weniger. Jedenfalls kam es mir viel vor. Schlecht drauf heißt, irgendwie unzufrieden oder einfach nur nicht in Hochstimmung. In so einer Haltung kommt es dann leicht vor, dass mich ein kleiner Anlass wirklich nervt oder ärgert. Das dauert dann zwar auch nie lange, aber dennoch, Leben stelle ich mir anders vor. Es ging oft recht schnell hin und her. In einem Moment war alles beschissen, 20 Minuten später lachte ich und hatte Freude, und umgekehrt genauso. Trotzdem kam es mir so vor, als ob da eine unleidliche Grundhaltung vorherrschen würde.

Gestern Abend also ließ ich wieder einmal alles liegen und stehen und ging dieser Sache nach. Geübte Leser meiner Beiträge wissen auch, was ich dann tue: mich selbst ausdrücken. Es dauerte eine Zeit, bis ich meinen Mund aufbrachte, so unleidlich und lustlos war meine Stimmung. Doch langsam begann ich zu reden. Ich möchte an dieser Stelle sagen, dass mein Selbstausdruck wirklich Selbst-Ausdruck ist. Das heißt, ich stelle keine Fragen und beklage mich nicht. (Bei wem?) Ich drücke aus, wie ich mich fühle und was ich wahrnehme. Und in diesem Selbstausdruck kommt dann die Lösung von irgendwo daher geflogen. Das Irgendwo bin natürlich ich. ;-) Und es ist wichtig, dass ich rede oder schreibe, denn Gedanken sind nur Gedanken, Verstandesspiele, sie sind kein Ausdruck.

Also gut. Ich resümierte. Ich stellte fest, dass ich mich schon seit geraumer Zeit nicht so spürte, wie das voriges Jahr der Fall war. Das war ein absolut großartiges Gefühl, und ich vermisste es. Ich spürte auch schon seit einiger Zeit meine Lust und meine größte Freude nicht mehr. Alles war irgendwie flach und lustlos. Alle Dinge, die ich so gerne tun wollte, waren bloße Erinnerungen an früher verspürte Lust, entsprachen aber nicht meiner aktuellen Lust. Ich hatte überhaupt keine Lust, irgendwas zu tun. Und ich hatte auch keine Lust, nichts zu tun. Das ist dann eine ziemlich bescheuerte Situation! Ich wusste überhaupt nicht, was ich wollte. Weder für den Moment noch für die nächste Zukunft. Ich bemerkte, dass mich wieder einmal ziemlich oft ziemlich viel nervte. Und obendrein war mir kalt. Ach, alles beschissen! Noch wenige Stunden zuvor wollte ich unbedingt über das Mangelbewusstsein schreiben, nun nicht mehr. Und die zehn anderen Themen? Auch nicht. Am Nachmittag war ich einkaufen und voll gut drauf. Naja.

Ich stellte fest, dass mir ziemlich viel abhanden gekommen war. Zum Beispiel nahm ich solche Stimmungen vor ein paar Monaten ganz locker. Ich sagte mir: „Ach, das ist morgen wieder vorbei.“ So war es dann auch. Immer. Aber das konnte ich schon seit einiger Zeit nicht mehr. Dieses Gefühl für mich bzw. von mir war weg. Ich spielte wieder einmal „Reiner, wo bist du?“. Seit ein paar Wochen waren die Besucherzahlen auf shaumbra.at rückläufig, nach Monaten des ständigen Anstiegs. Das nahm ich natürlich gleich zum Anlass, die Lust auf meine neue Plattform zu verlieren. Jetzt, da die technischen Probleme wieder einmal auf sehr einfache Art beseitigt waren. Meine Einnahmen stagnierten schon wieder. Und und und.

Alle Symptome deuteten schon wieder auf eine gefühlte Trennung hin. Aber das war’s nicht, es fühlte sich trotz aller Symptome nicht so an. Und ich dachte auch nicht weiter darüber nach, denn, wie gesagt, ich suchte nicht nach Ursachen oder Themen.

Apropos Thema. Dazu muss ich abschweifen und eine kleine Geschichte erzählen. Vor ein paar Monaten hatte ich auch gerade eine lustlose Stunde. Das war aber nicht zu vergleichen mit dem, worüber ich in diesem Blog schreibe. Also ging ich ein bisschen auf und ab und suchte mir etwas, womit ich mich geistig beschäftigen konnte. Da fing ich natürlich an, über mein Leben nachzudenken, was mir gefiel und was weniger, und vor allem fing ich an zu suchen nach etwas, das noch nicht passte, noch nicht stimmig war, etwas, das noch bereinigt gehörte. Ich suchte herum und fand nichts. Nach ein paar Minuten fiel mir auf, was ich tat. Ich sagte laut: „Haha, ich suche ein Thema und finde keines!“ Ich musste herzlich lachen. smiley

Gut, gestern suchte ich kein Thema. ;-) Ich drückte mich einfach aus. Gleich nach wenigen Sätzen kam eine Antwort vorbei geflogen. „Alles anders!“ – „Weiß ich eh“, sagte ich. Aber das genügte mir nicht, ich war noch nicht fertig mit selbst ausdrücken. Ich hatte schließlich was zu sagen! ;-) Dennoch redete ich nicht lange, nur einige Minuten. Dann kam Reiner. „Es ist mir wurscht!“ sagte er, also ich.

„Es nervt mich maßlos, mich mit diesem Blödsinn auseinanderzusetzen! Andauernd Energie in etwas buttern, was angeblich nicht passt. So ein Blödsinn! Ich suche schon wieder Erfolg. Nach welchen Maßstäben eigentlich? Wenn ich Lust habe, eine neue Plattform zu machen, dann mache ich sie. Auch wenn Null Besucher kommen. (Was natürlich nicht passiert.) Es geht nur um meine Lust! Und ich tue jetzt einfach irgendetwas, von dem ich weiß, dass ich es eigentlich tun will. Auch wenn ich im Moment nicht die große Lust spüre. Immer dieses Getue!“ In diesem Tonfall ging es weiter.

Was dann passierte, war nicht weiter verwunderlich. Während ich redete, kam die Lust, etwas zu tun. Ich setzte mich hin und schrieb meinen Blog. Heute war meine trübe Stimmung weggeblasen. Auf meiner Plattform war eine neue Frage, und diese Fragen machen mir große Freude. Zwei Buchbestellungen waren auch wieder da. Na eben, so sieht das Leben doch schon viel feiner aus. yes

Heute Nachmittag sagte Joya, dass sie schlecht drauf sei. Ich erzählte ihr, dass es mir schon seit Wochen so ginge und was ich gestern Abend erlebt hatte. Sie sagte, dass sie auf solche Dinge genauso antwortete wie ich. Und schon lachten wir wieder über unser Schlecht-drauf-Sein. cool

Beitrag des Moments

Gestern schrieb ich nach über zwei Monaten wieder einmal etwas in mein Tagebuch. Nachdem sich am Donnerstag und Freitag die Themen „Meine Vollkommenheit“ und „Es ist alles egal“ auf wohltuende Weise in mir ausbreiteten, waren am Freitag und Samstag Potentiale und Wahlen in mir präsent. Ich wollte etwas darüber schreiben, wollte durch meinen Selbstausdruck Klarheit für mich gewinnen. Doch, wie so oft beim Schreiben, kam etwas ganz anderes aus meiner Feder, als ich vorhatte. :-) Ich schrieb und schrieb, es sprudelte nur so aus mir heraus, mein Selbst trat hervor.