Du erlaubst? - Teil 2

Vor einigen Tagen habe ich über das Erlauben geschrieben. Über das Gefühl, sich selbst etwas zu erlauben, eine Vorschrift loszulassen und eine Schleuse im Inneren zu öffnen.

Nun ist es ja so, dass ich oft eine Erkenntnis habe. Die möchte ich dann auch gerne teilen. Etwas zu erkennen ist niemals das Ergebnis eines Nachdenkprozesses, der Verstand kann nichts erkennen. Er kann das Erkannte formulieren, aber er ist nicht kreativ. Vielmehr steht die Erkenntnis plötzlich einfach da. Zunächst noch eher klein, leise und unscheinbar, wie ein Mauerblümchen. Dieses Mauerblümchen will wahrgenommen werden. Wenn ich es wahrnehme, entfaltet es sich und wächst zu einer wunderschönen, großen Blume, die deutlich zu sehen ist. Wie lange dieser Wachstumsprozess dauert, hängt wieder davon ab, wie sehr ich der Blume erlaube, zu erblühen. Wenn ich es ganz und gar erlaube, dauert es Sekunden oder wenige Minuten. Es kann aber auch Jahre dauern. Es kann auch sein, dass ich das Mauerblümchen gar nicht wahrnehme oder sofort nach der Wahrnehmung töte. Wie macht ein Mensch so etwas? Durch zwanghaftes Nachdenken und durch Festhalten an alten Glaubenssystemen. Der Verstand will die Oberhand behalten. Er kennt nur Erfahrungen, also Vergangenes, bereits Dagewesenes. Eine Erkenntnis ist aber etwas Neues, sie ist keine Erfahrung, kommt also nicht aus dem Verstand. Nur logisch, dass sich der Verstand wehrt. Die Erkenntnis ist fremd, ein Eindringling. Nenne es Intuition, Gnost, Sprache der Seele oder wie auch immer. Sie ist jedenfalls nicht das Produkt des Verstandes, eines Nachdenkprozesses. Und sie kann nur kommen, wenn du dir erlaubst, etwas anderes als deinen Verstand wahrzunehmen und ernst zu nehmen.

Nun gut, das waren die Vorbemerkungen. Wie ich schon sagte, habe ich oft eine Erkenntnis, so alle paar Tage. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie ab ihrem Erscheinen einen fixen Platz in meinem Leben hat! Sie erscheint, ich nehme sie wahr, erlaube ihr, da zu sein und zu wachsen, ich fühle sie eine Zeit lang – und dann tritt sie langsam wieder in den Hintergrund. Ich habe sie an einem konkreten Beispiel angewendet, eine großartige Erfahrung gemacht, und dann geht’s wieder weiter wie gewohnt. (Natürlich nicht ganz so, aber fast so.) Der Verstand hat nun eine Erfahrung mehr, die ich erlauben und zulassen musste. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist, dass ab dem Moment der Verstand wieder voll das Ruder übernimmt. Es bedarf also der Übung, die gewonnene Erkenntnis ganz und selbstverständlich in mein Leben zu integrieren.

Im Fall des Erlaubens war es so, dass ich das Ich erlaube mir ein paar Stunden lang wirklich gefühlt habe. Es war ein überwältigendes Gefühl, die Wahrheit dieser Erkenntnis stand glasklar vor mir, ohne vom Verstand zerstückelt und definiert zu werden. Das ist lange! Ich hatte schon viele Erkenntnisse, die ich nur ein paar Minuten lang fühlte. Aber nach diesen Stunden hatte ich wieder business as usual. In den folgenden drei Tagen sagte ich mir ein paar Mal, „Ich möchte das Erlauben wieder fühlen“, und ich fragte mich, „Wie fühlt es sich an, mir dieses und jenes zu erlauben?“ Denn es ist ein himmelhoher Unterschied, sich zu sagen „Ich erlaube mir …“, oder zu fühlen „Ich erlaube mir …“. Ersteres bewirkt gar nichts, es ist hohl und hängt nur im Verstand. Nur im zweiten Fall erlaubst du dir wirklich und öffnest eine Schleuse.

Ich versuchte also, in das Erlauben hinein zu fühlen. Mit mäßigem Erfolg. Ich machte mir aber nicht allzu viele Gedanken darüber und stellte mir weiterhin in aller Ruhe die Frage: „Wie fühlte es sich an, mir … zu erlauben?“ Am dritten Tag, als ich gerade eine Zigarette rauchend in der Küche auf und ab ging und an dieses und jenes dachte, machte sich zwischen diesen Gedanken ganz, ganz leise ein anderer Gedanke bemerkbar: „Gib die Kontrolle auf.“ Dieser Gedanke war so leise, dass ich ihn vor ein paar Jahren, als ich meine Wahrnehmung für mich selbst noch nicht so geschult hatte, sicher nicht bemerkt hätte. Aber diesmal habe ich ihn bemerkt. Und die Tatsache, dass er so leise war, signalisierte mir, dass ich wieder auf eine Wahrheit gestoßen war. Im ersten Moment dachte ich noch: „Gut und schön. Aber was bedeutet das jetzt?“ Und schon fiel mir ein, dass ich ja in den Tagen zuvor eine Frage gestellt hatte. „Wie fühlt es sich an, mir … zu erlauben?“ Antwort: „Gib die Kontrolle auf.“ Ah! Das nächste Mauerblümchen begann zu wachsen.

Die Kontrolle aufzugeben ist doch nichts Neues, denkst du vielleicht. Das hast du schon oft gehört. Stimmt, auch ich habe das schon oft gehört und oft gedacht, habe auch schon einige Erfahrungen damit gemacht. Es kommt allerdings darauf an, in welchem Kontext und von welchem Teil von dir diese Aussage kommt. Es ist wieder einmal der Unterschied zwischen denken und fühlen. Nur durch das Fühlen offenbart sich die wahre Bedeutung.

In den folgenden zwei Tagen gab es bei mir zwei Dinge, die ich unbedingt haben bzw. erreichen wollte. Ich hatte aber nicht die geringste Ahnung, was ich tun sollte, um das Gewünschte zu erreichen bzw. zu erhalten. Ich überlegte etwas nervös hin und her. Da kam wieder das Gefühl aus dem Inneren, das ich in folgenden Worten formulierte: „Ich glaube, das Allerbeste, das ich jetzt tun kann, ist, absolut nichts zu tun.“ Es fühlte sich warm und erleichternd an, als ob eine große Last von mir genommen würde. Gedacht, getan. Ich tat nichts. Noch am ersten Tag rückte das, was ich erreichen wollte, einen riesigen Schritt näher. Es kam in Form eines völlig überraschenden E-Mails. Am zweiten Tag erhielt ich die Sache, die ich haben wollte. In einer etwas besseren Form, als ich sie ursprünglich wollte.

Obwohl ich in dieser Situation nicht an den Satz „Gib die Kontrolle auf“ dachte, hatte ich mir die konkrete Anwendung und Erfahrung dieser Aussage beschert. Ich hatte mir erlaubt, das zu erhalten, was ich haben wollte.

Du musst nämlich nichts tun, um etwas zu erreichen. Es genügt, etwas von Herzen zu wünschen. Die Lösung liegt schon vor dir. Aber sie sieht anders aus, als der Verstand es sich vorstellen kann. Deshalb siehst du sie nur, wenn du dir erlaubst, deine Verstandeskontrolle aufzugeben.

Im ersten Beitrag zum Thema Erlauben schrieb ich, dass ich die Auswirkungen des Energieflusses durch die Schleuse, die ich geöffnet hatte, in den folgenden Tagen und Wochen erleben würde. Nun, dies waren ein paar davon.

PS: Die Kontrolle aufzugeben bereitet vielen Menschen einige Verwirrung. In diesem Beitrag, in dem es um das Erlauben ging, ist zu wenig Platz, um auf diese Verwirrung einzugehen. Vielleicht schreibe ich in nächster Zeit einen eignen Beitrag darüber.

Beitrag des Moments

Ich habe lange nicht mehr geschrieben. Ich ziehe herum, sammle Erfahrungen, die mir im Moment des Erlebens nicht immer schön vorkommen, die sich aber schon nach kurzer Zeit im Rückblick als sehr schön erweisen, und erlebe nur selten die Ruhe, die nötig ist, um etwas entstehen zu lassen, das ich schreiben möchte. Daran ist auch nichts verkehrt, ich muss nicht dauernd schreiben. Mir fällt aber auf, dass ich es manchmal vermisse.