Das Mangelbewusstsein der Menschen

Im Zuge meiner traditionellen Ausbildung, also vor gefühlten 10 oder 20 Leben, habe ich Wirtschaft studiert. Zu Beginn des 2. Studienabschnitts gab es unter anderem ein Pflichtseminar namens Makroökonomie I.  Der Seminarleiter stellte eine Frage: „Was ist die Voraussetzung, um überhaupt wirtschaften zu können? Was braucht man unbedingt, damit Wirtschaft entstehen kann?“ Alle schauten ratlos, kaum jemand gab eine Antwort. Die wenigen Antworten, die kamen, lagen weit daneben. Dann kam die Antwort des Seminarleiters: „Es ist der Mangel! Ohne Mangel gibt es keine Wirtschaft. Wirtschaft kann nur entstehen und florieren, wenn es Mangel gibt.“

Er führte das noch weiter aus. Wenn irgendein Gut im Überfluss vorhanden ist, hat jeder mehr als genug davon und kommt somit nicht auf die Idee, etwas dafür zu bezahlen. Wie Luft zB. Es gibt auch niemand, der Luft für Geld (oder eine andere Leistung) anbietet, weil ja für jeden mehr als genug da ist. Beim Wasser sieht die Sache schon anders aus. In Österreich zB ist Wasser sehr billig, weil es in diesem Land Unmengen von sauberem Wasser gibt. Es ist so billig, dass sich kein Lokalbesitzer traut, für ein Glas Wasser Geld zu verlangen. Weiter im Süden oder auch im Westen in Europa sieht die Sache schon anders aus. In Los Angeles, einer riesigen Stadt, die in der Wüste liegt, ist Wasser ziemlich teuer, und die Wasserwirtschaft ist mit sehr viel Geld, Macht, Korruption usw. verbunden.

Kürzlich ist mir diese Aussage des damaligen Professors wieder eingefallen, ein fast schockartiges Erlebnis. Meine Berufs- und Arbeitsjahre sind an mir vorbei gezogen. Mein Befassen mit der Wirtschaft, und speziell mit der IT. Und ich habe alles mit meinem heutigen Bewusstsein gesehen. Was wir vor unseren Augen – und in uns selbst – erleben, ist, dass es praktisch keinen Mangel gibt, sondern allerorts künstlich einer produziert wird. In meinem Arbeitsleben habe ich andauernd mitgeholfen, künstlich Mangel zu produzieren, damit die Wirtschaft erhalten bleibt, damit sie weiterhin den Anschein erwecken kann, es herrsche Mangel, und man müsse für alles Mögliche bezahlen.

In den letzten Tagen und Wochen konnte ich das wieder sehr schön beobachten. Ich war  und bin damit beschäftigt, die Homepage für die Österreichischen Freilerner zu erstellen. Im Zuge dessen kam es zu einem Providerwechsel und zur Übersiedlung weiterer sechs Homepages. Und ich sehe, welche Spiele der Provider spielt. An einigen Ecken produziert er Mangel. Diese und jene Einstellung darf vom Kunden nicht geändert werden. Wenn er das möchte, muss er extra zahlen. Eine Domain kann nicht so ohne weiteres auf einen bestehenden Webspace verweisen. Wenn man das möchte, muss man etwas dazu kaufen.

Nun kenne ich mich in der IT – für mich überraschend – noch immer ziemlich gut aus. Ich weiß ganz genau, wie die Dinge dahinter funktionieren. Die Einstellungen, von denen ich rede, bedeuten keinerlei Sicherheitsrisiko, und sie kosten den Provider keine Ressourcen. Dasselbe gilt für die Domains. Im Gegenteil, es ist sogar so, dass die Einführung dieses Mangels Ressourcen kostet. Ich weiß das, ich habe so etwas früher selbst gemacht. ;-) Man muss Regeln erfinden, Begrenzungen einbauen, die vorher nicht da waren, und dann muss man das ganze Zeug verwalten. Der Support würde sich viele Anfragen ersparen, wenn er nicht diesen künstlichen Mangel bewirtschaften müsste. Dafür muss man natürlich Geld verlangen.

Lustiger Weise ist das, was tatsächlich Ressourcen kostet, gratis. Von einem Tag auf den anderen bekommt man den fünffachen Plattenplatz, ohne mehr dafür zu bezahlen. Aber Plattenplatz ist so billig, dass man ihn verschenken kann. Und das Wesentliche, nämlich die Softwaretechnologie, mit der ich die Homepage erstellte, ist überhaupt gratis, von Anfang an. Der Webserver, mit dem der Provider arbeitet, ist ebenfalls gratis.

Aber der Provider steckt, wie fast alle Firmen heute noch, im System des alten Bewusstseins. Er glaubt, er muss verschiedene Produktvarianten anbieten, die mit unterschiedlichen Mängeln bestückt sind, damit er am Markt erfolgreich sein kann. Er kommt nicht auf die Idee, nur ein einziges Produkt zu haben, das alles hat und alles kann, und dafür einen angemessenen Preis zu verlangen. Folglich muss er ziemlich viel Energie dafür aufwenden, den Mangel zu verwalten.

Wenn man genauer hinsieht, ist es überall so. Ob Webspace oder Zuckerl oder Autos oder Lebensmittel … egal. Lebensmittel sind überhaupt ein gutes Beispiel. In Europa werden riesige Mengen davon ins Meer geschüttet, aufwändig verbrannt oder sonst wie entsorgt, nur damit die Illusion des Mangels aufrecht erhalten werden kann.

Das komplette Wirtschaftssystem, wie es heute besteht, beruht auf der Erschaffung von Mangel. Damit dann etwas da ist, womit man wirtschaften kann. Ich behaupte nicht einmal, dass das Mangel Erschaffen von ein paar machtgeilen Typen ausgeht, obwohl auch das der Fall ist. Jeder nicht macht- und geldgeile Mensch macht es genauso, weil sein Bewusstsein immer nur von Mangel ausgeht. Die Menschen wissen gar nicht, was sie ohne Mangel tun sollen. „Was wäre, wenn einfach alles da wäre?“ – „Ähm, das geht gar nicht, das kann nicht sein, das darf nicht sein. Was soll ich denn dann tun?“

Ich lade dich ein, dich selbst zu beobachten, dein Bewusstsein ans Licht zu bringen. Wenn du an Geld denkst, in welcher Weise denkst du daran? Jetzt mal abgesehen von dem Gedanken, woher und wie es zu dir kommen soll. Denkst du daran, wie du mit einer bestimmten Menge auskommen kannst? Wie du mit weniger auskommen kannst? Was wie wenig kosten muss, damit du es dir leisten kannst? Solche und ähnliche Gedanken entspringen einem Mangelbewusstsein. Ein Mensch mit Füllebewusstsein würde denken: „Was mache ich mit dem vielen Geld, das ich in den nächsten Tagen erhalte? Wo bekomme ich die teure Uhr her, die mir so gut gefällt? Wie bekomme ich am einfachsten die 300m² Wohnung mit Terrasse und allem Drum und Dran?“ So denken wenige Menschen. Und die haben aber dann auch immer mehr von allem, als sie brauchen können. Überfluss eben.

Es ist unser Bewusstsein, das den Mangel erschafft. Individuell und kollektiv. Und dieses Bewusstsein sitzt tief und ist uralt. Es ist höchste Zeit, es zu ändern. Wenn ich genauer hinschaue, sehe ich, welch enorme Energiemengen wir in die Auswirkungen dieses Bewusstseins stecken. Direkt erschreckend. Und mittlerweile absolut unpassend.

Beitrag des Moments

Baby, obwohl ich dieses einsame Leben wählte,
scheint es, als ob es mich jetzt erwürgte.
All die wilden Männer mit den großen Zigarren und den gigantischen Autos,
sie alle lachen mich jetzt aus.
Ich bin gebraucht worden … missbraucht …
Ich bin ein Narr gewesen … oh was für ein Narr!
Ich brach alle Regeln … Regeln … ja,
Aber ich werde das Spiel nicht weitergehen lassen.