Alte Bekannte schauen wieder vorbei

Reiners Blog

In letzter Zeit besuchen mich wieder vermehrt alte Bekannte. Es sind Begegnungen mit gemischten Gefühlen, zumindest bei der ersten Berührung. Es sind Leute, die ich wirklich schon sehr, sehr lange kenne, oder besser gesagt, gekannt habe. Und nun stehen sie wieder da.

„Ja hallo Schuld! Dich habe ich ja wirklich schon lange nicht mehr gesehen! Was machst du hier? Ich dachte, wir hätten uns für immer verabschiedet. Und ich muss sagen, du fühlst dich noch immer grauslich an.“
„Du hast mich gerufen.“
„Tatsächlich? Aber ja, jetzt, wo du es sagst, kommt es mir auch so vor.“
„Ich war übrigens immer in deiner Nähe, aber du hast mich nicht bemerkt.“
„Doch, doch, aber ich habe dir keine Aufmerksamkeit geschenkt. Du warst nicht wichtig für mich.“
„Aha. Nun, jetzt bin ich da.“
„Ja. Und du machst das, was du immer gemacht hast. Du willst mich immer antreiben etwas zu tun, was ich nicht tun will. Weißt du, wie mühsam und anstrengend sich das anfühlt?“
„Das ist mein Job. Immer zu deinen Diensten.“

„Grüß dich Scham. Du hier? Dein letzter Besuch ist noch nicht so lange her wie der der Schuld. So scheint es mir zumindest. Was machst du hier?“
„Du hast mich abgelegt wie einen alten Mantel. Du hast mich zur Altkleidersammlung gegeben! Dabei habe ich dir so lange gedient!“
„Ja. Ich brauche dich nicht mehr. Es stimmt, du hast mir gedient, aber irgendwann warst du nur noch eine Bremse, eine Last. Deshalb habe ich dich abgelegt, wie du richtig erkannt hast“
„Und was soll ich jetzt tun in der Altkleidersammlung? Ganz alleine?“
„Du kannst ja nach Hause kommen, aber du musst dich ändern. Deine alten Dienste brauche ich nicht mehr. Genieße einfach das Leben!“

„Ach, Problemlöser! Du warst ja nie so wirklich weg, oder? Irgendwie sitzt du mir immer im Rücken.“
„Ja, das stimmt, ich bin immer bei dir. Aber du beachtest mich kaum noch! Dabei habe ich Ewigkeiten echt hart gearbeitet für dich!“
„Du meinst wohl, du hast mich unentwegt angetrieben, damit ich hart arbeite.“
„Ja. Aber ohne mich wärest du nicht weiter gekommen. Ohne mich hätten dich deine Probleme erdrückt. Ich habe dir immer geholfen, den richtigen Weg zu finden.“
„Nun, es stimmt, du hast in der Vergangenheit große Dienste geleistet. Aber fällt dir nicht selbst auf, dass deine Arbeit gar nichts mehr bringt? Im Gegenteil, sie verhindert echte Lösungen. Und das ist wohl das Gegenteil dessen, was ein Problemlöser tun sollte.“
„Doch, ich hatte da schon so ein Gefühl. Es ist ein bisschen wie im Kreis drehen. Die Welt hat sich wohl verändert.“
„Ja, das hat sie. Also was tust du hier?“
„Ich habe Angst, arbeitslos zu werden. Was soll ich denn dann tun? Ich kann nichts anderes als Probleme lösen. Zumindest war das einmal so.“
„Ja genau, das war einmal so. Weißt du, ich brauche dich nicht mehr. Geh doch in Pension! Du hast dir deine Rente redlich verdient. Leg dich an einen Strand und lass dir die Sonne auf den Bauch scheinen.“

„Ja servus Mensch! Jetzt, da du hier auftauchst, kommt mir vor, ich habe dich ein bisschen vergessen. Was ist los mit dir? Du siehst ramponiert aus.“
„Ich bin ziemlich mitgenommen, mein Leben fühlt sich hart an. Und ich habe Angst, viel Angst.“
„Ich kann dich verstehen, es hat sich verdammt viel geändert für dich. Aber du brauchst keine Angst haben, es ist alles gut. Ich liebe dich, ich liebe dich wirklich sehr.“
„Das fühlt sich aber nicht so an! Ich fühle mich verloren, und es ist so stürmisch. Werde ich sterben?“
„Nein, du wirst nicht sterben. Du gehst durch große Veränderungen, und am Ende bist du ein anderer als früher. Aber sehr lebendig! Du bleibst für immer ein sehr, sehr wichtiger Teil von mir. Weißt du was? Dein Leben ist sehr viel einfacher, wenn du dich auf die Veränderungen freust.“
„Das sagst du so leicht. Und du beachtest mich so wenig!“
„Du hast recht, ich habe dich oft übergangen. Ich hatte meine Gründe, aber wir ändern das jetzt. Auch für mich hat sich viel verändert. Ich muss dir noch etwas sagen, lieber Mensch. Mir ist aufgefallen, dass du – im Gegensatz zur Schuld und der Scham und dem Problemlöser – der Einzige bist, der mich nie antreibt, oder antreiben will. Das ist wirklich ein feiner Zug von dir!“


Die genannten Aspekte sind nicht die einzigen, die mich in letzter Zeit besucht haben, aber sie sind sehr wesentlich. Nun, warum kommen sie? Warum tauchen sie auf? Muss ich da etwa noch etwas Altes aufarbeiten?

Nein, keineswegs. Sie kommen halt gelegentlich, sie sind schließlich meine Schöpfungen. Und jedes Mal, wenn sie kommen, habe ich die Möglichkeit, auf neue Art mit ihnen zu spielen. Das ist der Punkt, um den es geht.

Wollen diese Aspekte etwas von mir? Wenn ja, was?

Nein, sie wollen nichts. Ich bin es, der etwas will. Es ist, wie die Schuld gesagt hat: „Du hast mich gerufen.“ Nicht die Schuld hat sich aufgedrängt, ich habe sie geholt. Warum dann das? Nun, besonders bei Aspekten, die wir als unangenehm empfinden, wie Schuld und Scham, drängen sich immer wieder die alten Muster in den Vordergrund: ablehnen, wegschieben, oder ihnen auf den Leim gehen und voll in die Schuld und die Scham einsteigen. Noch deutlicher ist das beim Problemlöser zu merken. Da gibt es kaum ein Wegschieben, sondern meistens nur ein Einsteigen.

Ich habe sie gerufen, diese Aspekte, um auf eine neue Art mit ihnen zu spielen, nicht bloß nach alten Mustern zu handeln. Was in den Dialogen auch sichtbar wird, zumindest ansatzweise. In Wirklichkeit waren die Dialoge etwas länger, aber nicht viel. Ich habe zuerst versucht, die Aspekte zu fühlen, und bin so draufgekommen, dass sie gar nichts von mir wollten, sondern dass ich etwas von mir wollte, nämlich einen nicht musterhaften Umgang mit meinen alten Bekannten.

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