Die Katze und der Vogel

Stell dir eine Katze vor. So eine ganz normale Hauskatze, wie sie in vielen Haushalten zu finden ist. Sie ist ein wahrhaft großartiges Wesen, sehr souverän. Die meiste Zeit ihres Lebens verbringt sie damit, irgendwo herum zu liegen, sehr gemütlich, sehr faul. Doch in Bruchteilen einer Sekunde kann sie ihr Verhalten ändern, wenn sie ein Geräusch hört, das nicht zu den anderen Geräuschen passt und das offensichtlich nicht von Menschen kommt. ZB das ganz leise Tippen von Mäusefüßchen, das wir Menschen meistens gar nicht oder erst viel später hören. Blitzschnell ist die Katze hellwach. Sie kann aus dem Stand heraus in nichts auf eine sensationelle Geschwindigkeit beschleunigen, der schnellste Sportwagen ist lahm im Vergleich dazu.

So eine Katze hört und sieht sehr gut, ist extrem wendig und schnell. Und dabei auch noch leise. Die andere Seite einer Katze mögen wir auch sehr, ihre Gemütlichkeit, ihr kuscheliges Fell, ihre Angewohnheit zu schnurren, wenn sie sich wohl fühlt. Gerne sehen wir da über ihre Eigenarten hinweg, wie zB einen Großteil des Futters zu verschmähen, weil es nicht gut genug ist, oder nur ganz frisches Futter zu mögen. Was bereits eine Stunde da gestanden ist, wird nicht mehr angerührt. Ganz schön wählerisch, so ein Katzentier.

Stell sie dir also nun vor, diese Katze. Eines Tages fällt dir auf, dass sie mehr Haare verliert als sonst, bis du schließlich merkst, dass diese Haare nicht mehr nachwachsen. Sie bekommt Lücken in ihrem Fell und sieht schon recht elend aus. Doch es geht weiter, die Katze verliert nach und nach alle Haare, ihr ganzes Fell. Nun liegt eine nackte Katze vor dir, und du merkst, dass sie friert und zittert. Ihre Augen sehen traurig aus und scheinen nach Hilfe zu schreien. Damit nicht genug, beginnen ihre Vorderbeine sich rückzubilden, sie werden schwächer und kleiner, die Krallen fallen langsam ab. Instinktiv versucht die Katze, ihre Fähigkeiten nicht zu verlieren bzw. sie wieder zu erlangen und geht hinaus, um zu jagen. Sie jagt, damit sie ihre Krallen und ihren Bewegungsapparat wieder in Schuss bringt. Doch du siehst, dass die Katze jämmerlich versagt. Sie ist zu schwach und zu langsam, mit den paar restlichen Krallen kann sie nichts mehr fassen. Auf Bäume kann sie auch nicht mehr klettern. Sie kann keinen Vogel und keine Maus mehr erreichen, geschweige denn erlegen.

Erschöpft und traurig beendet die Katze ihre Jagdversuche. Indes verschlimmert sich ihr Zustand. Sie wird nicht nur dünner, nein, es wird tatsächlich ihr Körper kleiner, ihr Skelett bildet sich zurück und schrumpft. Alle ihre Krallen fallen aus, ihre Zunge wird kleiner und schmäler, sie kann sich nicht mehr putzen. Ihre Barthaare fallen ebenfalls aus, nun verliert sie ein wesentliches Orientierungsinstrument. Ihr Schwanz bildet sich auch zurück. Jetzt kann sie endgültig nicht mehr herum springen und balancieren, mit dem Schwanz fehlt ein wesentlicher Teil ihres Gleichgewichtsinstrumentariums. Du siehst das alles und bist ratlos, du siehst nur diese traurigen Augen, die sich ebenfalls verändern.

Die Katze versucht immer wieder Dinge zu tun, die sie einst konnte. Sie versucht zu springen, zu laufen, über schmale Balken und ähnliches zu gehen, doch sie kann nicht vernünftig laufen, kaum springen und fällt überall herunter. Sie versucht es immer und immer wieder, doch ihre Versuche gelingen von Mal zu Mal schlechter.

Die Vorderbeine der Katze bilden sich weiter zurück, schließlich sind sie nur noch Stumpen. Die Hinterbeine werden zarter und schwächer. Sie verliert ihre Zähne, spätestens jetzt kann sie nicht mehr ihre gewohnte Nahrung zu sich nehmen. Aber sie mochte eh schon vorher ihr übliches Fressen nicht mehr so gerne. Nun bilden sich auch ihre Ohren zurück. Die Augen sind keine Katzenaugen mehr. Die Pupillen vergrößern und verkleinern sich nicht mehr wie bei einer Katze. Stattdessen scheint sie mit kleinen, runden Pupillen seltsam in die Gegend zu starren.

Nun ist die Katze klein, nackt, praktisch ohne Vorderbeine, hat zarte, schwache Hinterbeine, keine Zähne, keine großen Ohren und andere Augen. Schwanz hat sie auch fast keinen. Nach all den Rückbildungen und Schwächungen geschieht nun etwas anderes. An den Hinterbeinen wachsen plötzlich zehenähnliche Krallen. Das zahnlose Maul wird schmäler, spitzer und härter. Das einstige Kätzchen liegt nicht mehr nur herum, sondern macht erste Versuche, auf den Hinterbeinen zu gehen, irgendwie fast aufrecht. Seine Wirbelsäule hat sich verformt. Und nun beginnen Federn aus ihrem Körper zu wachsen. Federn! Da, wo die Vorderbeine waren, sind die Federn größer, und siehe da, da wächst etwas heraus. Da, wo der Schwanz war, sind auch ein paar größere Federn.

So geht das weiter. Und eines Tages spreizt das Tier seine Flügel und erhebt sich in die Lüfte. Es fliegt immer höher hinauf und immer weiter weg. Schnell lernt es, seinen neuen Bewegungsapparat zu koordinieren und mit dem neuen Element Luft umzugehen. Es lernt auch, mit dieser völlig neuen Perspektive umzugehen. Von oben sieht alles anders aus als vom Boden aus betrachtet!

Die Katze gibt es nicht mehr, sie ist zu einem Vogel geworden. Und der lernt jetzt ziemlich schnell, sich in seinem neuen Leben zurecht zu finden. Ein paar Grundsätze sind geblieben, die er zum Überleben braucht. Er braucht was zu fressen und Wasser, er atmet nach wie vor und braucht Luft dazu. Würde man ihn unter Wasser festhalten, würde er ertrinken, ebenso wie die Katze. Aber sonst ist wirklich alles anders in diesem neuen Leben.

Und nun stell dir vor, die Katze hätte ein menschliches Bewusstsein. Glaubst du, sie würde Angst haben, während sie alles verliert und sich alles zurückbildet? Glaubst du, sie würde sich Sorgen machen? Wenn sie merkt, dass sie all die wunderbaren Dinge nicht mehr kann, die jede Katze kann? Glaubst du, sie würde leiden? Glaubst du, sie würde hartnäckig versuchen, wieder eine normale, leistungsfähige Katze zu sein, so lange es nur irgendwie geht? Glaubst du, sie würde verzweifeln ob ihrer Fehlversuche? Glaubst du, sie würde sich krank fühlen, wenn ihr die Haare und die Krallen ausfallen? Glaubst du, sie hätte Schmerzen bei all den Umwandlungen?

Ja! All das würde zutreffen, im schlimmsten Ausmaß. Sie würde höllisch leiden, bis an die Grenze ihrer Leistungsfähigkeit. Sie wäre komplett verängstigt und besorgt, und das würde die Sache noch schlimmer machen. Und sie wäre verzweifelt, wie man es nur sein kann. Und sie würde festhalten, festhalten, festhalten. Sie würde wieder so sein wollen wie früher. Sie würde es immer wieder versuchen. Sie hat ja keine Ahnung, was da alles passiert! Sie sieht nur, dass alles immer schlechter wird.

Und nun stell dir vor, es gäbe ein paar Katzen, die davon gehört hätten, dass sie zu Vögeln würden. Alle hätten dieses menschliche Bewusstsein. Was würden sie wohl glauben? Genauer gefragt, was würden sie wohl glauben wollen? „Ah, wir werden Katzen, die fliegen können! Beutesuche? Kein Problem, denn wir können jagen wie jetzt und fliegen, die Beute von oben aufspüren! Wir können dann praktisch alles, wir sind Wunderkatzen. In dem ganzen Umwandlungsprozess können wir täglich mehr, wir werden immer besser.“ Und die anderen Katzen, die das hören würden, würden versuchen, ihren Haarausfall so zu sehen, dass sie nun bald fliegen könnten. Sie würden anderen erzählen, wie großartig ihr Leben nun wäre. Und diese anderen würden es auch so großartig haben wollen. Und dabei würden alle früher oder später noch viel mehr verzweifeln, als sie es würden, wenn sie nie etwas gehört hätten. Denn nun würden sie glauben, dass alles ständig immer besser und schöner sein müsste, stattdessen würde aber alles – scheinbar – immer schlechter werden. Dann würden sie glauben, dass sie unheimlich viel falsch machen würden, weil das Leben ja nicht besser zu werden scheinen würde. Und all das würde alles noch viel schlimmer machen.

In der Tat trifft meine Parabel von der Katze und dem Vogel ziemlich genau das, was beim Transformationsprozess vom dualen, getrennten Menschen in der alten Energie zum bewussten, souveränen, göttlichen Menschen in der Neuen Energie passiert. Das Alte geht, stirbt ab, verlässt dich, damit das Neue geboren werden kann. Du wirst nicht zu einem besseren altenergetischen Menschen, du wirst etwas völlig anderes. Und du kannst dann fliegen, aber du bist dann kein fliegender Mensch sondern ein fliegender Gott, und das ist ganz anders. Der Vogel ist keine Katze mehr, sondern eben ein Vogel.

Und in der Tat stehen die Katzen, die vom Vogeldasein gehört haben und solche Dinge erzählen ziemlich genau für die Heerscharen spiritueller Menschen, die scheinbar so viel (besser) wissen. Gefolgt von der Verzweiflung aller.

Und nun stell dir vor, die leidende und völlig frustrierte Katze würde wirklich einem Vogel begegnen, der einmal eine Katze war. Dieser Vogel könnte der Katze genau erzählen, was da gerade mit ihr passiert. Er könnte ihr erklären, was bisher passiert ist, was jetzt gerade passiert und was noch passieren wird. Und er könnte ihr auch sagen, wie das Leben als Vogel wirklich ist, dass ein Vogel keine fliegende Katze ist. Er würde genau verstehen, wie sich die Katze gerade fühlt, er hätte wirkliches Mitgefühl.

Glaubst du, die Katze wäre nun viel beruhigter und entspannter? Glaubst du, die Katze hätte nun ein viel besseres Verständnis von den beunruhigenden Vorgängen? Wäre es vielleicht sogar möglich, dass die Katze alle ihre Sorgen loslässt und lebt, so gut sie gerade kann, wissend, dass alles geschieht, weil es geschehen muss, und wissend, dass sie eines Tages ihre Flügel ausbreitet und sich in ein anderes, leichteres und freieres Leben erhebt? Wäre dann nicht alles viel einfacher und leichter für die Katze?

Dieser Vogel, der einst eine Katze war, ist ein wirklicher Lehrer der Neuen Energie, denn nur er kann die Weisheit aus der eigenen Erfahrung schöpfen und nicht bloß über etwas spekulieren.

Nun, die Natur zeigt uns mit der Raupe, die sich einpuppt und zum Schmetterling wird, genau den Prozess, den erwachende Menschen durchlaufen. Der Schmetterling ist ganz offensichtlich keine schönere Raupe und auch keine Raupe, die fliegen kann, sondern er ist etwas ganz anderes. Die meisten Menschen haben zu Katzen und Vögeln eine stärkere Beziehung als zu Raupen und Schmetterlingen, sodass dir meine Parabel vielleicht lebendiger zeigt, was der Umwandlungsprozess ist, was mit dir passiert. Und vielleicht hilft dir die Parabel, die Vorgänge in deinem Leben aus einem anderen Blickwinkel zu sehen als bisher. Vielleicht hilft sie dir, die scheinbaren, aber auf jeden Fall vorüber gehenden Verschlechterungen in deinem Leben einfach anzunehmen, dir keine Sorgen darum zu machen und das größere Ganze zu sehen.

 

Beitrag des Moments

Gestern war ein guter Tag. Ich habe ihn mit zwei Shaumbra-Freundinnen verbracht. Gerlinde hatte wieder einmal in Wien zu tun, also trafen wir uns. Als sie mich mittags anrief, stellte sich heraus, dass sie gerade nur wenige Meter von meiner Wohnung entfernt war, ohne es zu wissen. Also gingen wir gleich in mein Stammcafé und verbrachten den Nachmittag miteinander. Am Abend trafen wir dann Elisabeth und quatschten bis 1h.

Meine Dienste

Der leichte Weg

Erwachende Menschen lieben es, sich das Leben schwer zu machen, sie schlagen einen schwierigen und herausfordernden Weg ein. Bereits erwachte bzw. erleuchtete Menschen tun das in vielen Fällen ebenfalls gerne. Schlafende Menschen tun das zwar auch, aber die glauben ja, dass das Leben eben schwer sei, und um sie geht es auf meiner Website auch gar nicht. Erwachende und erleuchtete Menschen leiden an den Schwierigkeiten in der Regel mehr als schlafende, weil sie in ihrem Inneren wissen, dass alles eigentlich sehr einfach ist – oder zumindest sein sollte.

Frantworten

Das Wort Frantwort ist eine Kurzform für Frage und Antwort, oder Frage und Antwort. Darüber hinaus bedeutet es auch, dass in der Frage die Antwort bereits enthalten ist. (Sofern es sich um eine aufrichtig gestellte Frage handelt.) Also Frantwort.
Im Klartext: Du stellst mit eine Frage per E-Mail, ich gebe dir eine Antwort, auch per E-Mail. In der Regel fällt es dir nicht auf, dass deine Antwort bereits in deiner Frage enthalten ist, sonst würdest du mir ja die Frage nicht stellen. Mir fällt es aber auf, und meistens auch noch etwas mehr