Bewusstsein und Energie

Bewusstsein und Energie sind zwei verschiedene Dinge. Das Leben, das ist Bewusstsein, und es braucht keine Energie, um sich seines Daseins zu erfreuen. Bewusstsein tut die ganze Zeit nichts anderes, als sich selbst zu erforschen, also immer mehr von sich selbst kennenzulernen. Und dabei gibt es keine Grenzen! Das ist wichtig zu verstehen, vor allem für all die Menschen, die noch immer glauben, dass es ein Ende der Reise gäbe, das gibt es nämlich nicht. Viele Erwachende glauben ja, mit der Erleuchtung wären sie dann angekommen. Weit gefehlt! Die Erleuchtung hat das Spiel der Dualität beendet – und ein neues Spiel beginnt. Sich selbst zu erforschen und dabei immer mehr und immer Neues zu entdecken, hat niemals ein Ende.

Bewusstsein ist das, was es immer gegeben hat und immer geben wird, es ist das sprichwörtliche unendliche Leben. Energie hat es nicht immer gegeben, und wie du in diesem Kapitel erfahren hast, gibt es verschiedene Formen von Energie.

Nun könntest du fragen, wozu es überhaupt Energie gibt, warum wir so etwas erschaffen haben. Die Antwort ist einfach: Energie ist Spielzeug für Bewusstsein. Mit Energie kann Bewusstsein in seine Schöpfung eintauchen und in ihr leben. Energie macht jede Erfahrung realer, also lebendiger. Und genau das wollten wir erleben. Wir tauchen in unsere Schöpfung ein und schwimmen in ihr. So lernen wir immer mehr über uns selbst, wir erfahren immer mehr darüber, wer wir sind, oder besser gesagt, was wir alles sein können. So wie ein Extrembergsteiger mehr über sich selbst erfährt als ein Stubenhocker.

Ich fasse unsere bisherige Reise noch einmal kurz zusammen.

Irgendwann gab es nur ein einziges Bewusstsein, das sich bei der Erforschung seiner selbst irgendwann die folgenreiche Frage stellte: „Wer bin ich?“ Mit dieser Frage erschuf es einen Spiegel, in dem es sich selbst betrachten konnte. Dies war der Ursprung der Dualität, die feminine und die maskuline Qualität war geboren. Die eine diente der anderen als Spiegel. Irgendwann später erschufen die beiden, die letztlich eins waren, Abbilder ihrer selbst. Es waren Funken von Bewusstsein, ausgestattet mit allem, was Bewusstsein ausmacht. Sogenannte beseelte Wesen; das sind wir. Vollständig und unabhängig, so wie die Kinder von irdischen Eltern; nachdem sie körperlich und geistig voll ausgebildet sind, brauche sie die Eltern nicht mehr. Sie haben alles, was einen ganzen Menschen ausmacht.

Nun waren wir alle da, die Eltern und die Kinder, und wir spielten alle herum und erforschten das Ganze. Diese Entwicklungsphase war das, was heute die Einheit genannt wird. Viele Menschen glauben noch immer, irgendwann in diese Einheit zurückzukehren. Aber es gibt kein Zurück in der Schöpfung, niemals. Im schlimmsten Fall gibt es so etwas Ähnliches wie Stillstand, aber kein Zurück.

Diese Einheit ist das, was Tobias den ersten Schöpfungskreis nannte. Wir bewegten uns innerhalb desselben Bewusstseins und hatten keine Energie.

Eines Tages verließen wir Zuhause, es war Zeit erwachsen zu werden. Dabei erschufen wir eine riesengroße Menge Energie. Wir hatten kurz zuvor schon ein Gespür für realere Erfahrungen entwickelt. Der Wille, ein Spielzeug zu haben, war schon in uns angelegt. Gemäß dem, was wir von Zuhause kannten, und in der Folge unserer starken Sehnsucht nach Zuhause war (und ist) diese Energie dual und spannungsgeladen. Wir erschufen immer mehr und mehr mithilfe der dualen Energie. Wir gingen immer weiter hinaus, um neue Möglichkeiten zu kreieren, zu erforschen und in ihnen zu leben. Dabei entfernten wir uns auch immer weiter von uns selbst. Nicht von Zuhause, sondern von uns selbst. Wir tauchten immer tiefer in unser Spiel ein, sodass wir uns schließlich überhaupt nicht mehr dessen bewusst waren, dass alles nur ein Spiel ist …

Vom Verlassen von Zuhause bis zur heutigen Zeit lebten (leben) wir im zweiten Schöpfungskreis. Wir hatten (haben) ein Bewusstsein für Dualität und spielten (spielen) mit dualer Energie.

Vor nicht allzu langer Zeit entschied sich eine nenneswerte Anzahl von Seelen dazu, etwas völlig Neues zu beginnen. Sich nicht mehr durch den Blick in den Spiegel selbst besser kennenzulernen, sondern rein aus sich selbst heraus. Dazu mussten diese Seelen freilich erst erkennen, dass sie tatsächlich völlig autonom und unabhängig waren. Die Entscheidung für ein neues Spiel führte dazu, dass etliche Menschen auf der Erde eine neuartige Energie erschufen, die integrierte Energie. Das Bewusstsein der eigenen Vollständigkeit und das Bewusstsein um diese Neue Energie leitet den dritten Schöpfungskreis ein. In ihm wird Realität anders erschaffen als bis jetzt.

In gewissem Sinn könnte man sagen, dass wir erst jetzt wirklich erwachsen werden. Der erste Schöpfungskreis war unsere Kindheit, der zweite Schöpfungskreis war unsere Adoleszenz, und jetzt werden wir wirklich souverän.

Schauen wir noch einmal auf die Ebene des Bewusstseins. Im ersten Kreis waren wir uns gar nicht so wirklich dessen bewusst, dass wir eigenständige Wesen sind. Wir hatten ein Bewusstsein von dem Ganzen, von der Einheit. Wie kleine Kinder. Die kriegen zwar mit, dass ihr Körper nicht der Körper der Eltern ist, aber sie empfinden die Einheit der Familie.

Im zweiten Kreis bemerkten wir, dass wir als eigenständige Wesen existierten, nachdem das Trauma der Trennung überwunden war. Das ist die ursprünglichste Form von Bewusstsein, das Erkennen der eigenen Existenz. Was für eine Erfahrung!

Aber im zweiten Schöpfungskreis fühlten wir uns abhängig. Abhängig davon, wieder nachhause zurückzukehren, abhängig von Energie, abhängig von anderen Wesen. Wir befinden uns in unserer Jugend und unserer Pubertät. Wir proben den Aufstand, aber kommen doch nicht aus der Abhängigkeit heraus. Wir haben ein Bewusstsein für Dualität und Unvollständigkeit und für duale Energie. Aus diesem Bewusstsein heraus erschaffen wir unsere Realität.

Im Übergang in den dritten Kreis realisieren wir mehr und mehr, dass die Abhängigkeit eine Illusion ist. Wir erkennen immer mehr unsere Unabhängigkeit und unsere Souveränität. Aber den Schritt über diese Schwelle gehen wir zögerlich, denn er ist genauso folgenschwer wie das Verlassen von Zuhause, und diese Erinnerung haben wir alle noch in uns. Wir mögen zwar die Abhängigkeit nicht mehr, aber sie gab uns auch ein Gefühl von Sicherheit. Letztlich können wir aber nicht anders und gehen diesen Schritt. Und schließlich entwickeln wir unser Bewusstsein für unsere Eigenständigkeit, Vollständigkeit, Unabhängigkeit und unsere Integriertheit. Und wir entwickeln unser Bewusstsein für diese neue, integrierte Energie. Nun erschaffen wir aus diesem Neuen Bewusstsein unsere Realität.

Die aufgestiegenen Meister früherer Zeiten erkannten natürlich auch ihre Vollständigkeit und Integriertheit, das ist das Wesen von Erleuchtung. Im Unterschied zu uns beließen sie es aber dabei, verließen diesen Planeten und spielen auf der anderen Seite weiterhin mit der altbekannten Energie. Sie hinterließen auf der Erde keinen Umbruch und keine Krisen. Wir jedoch haben uns entschlossen, ein neues Zeitalter in der Schöpfung einzuleiten, und dabei verursachen wir selbstverständlich Umwälzungen auf der Erde, die vielerorts als Krisen wahrgenommen werden. Und wir haben uns entschlossen, nach unserer Erleuchtung weiter auf diesem Planeten zu bleiben. Für dieses neue Zeitalter erschufen wir die Neue Energie, die unserem Neuen Bewusstsein entspricht, die integrierte Energie.

Wir stehen ganz am Anfang der aufregendsten und spannendsten Ära der Schöpfung. (Und irgendwann in ferner Zukunft machen wir wieder etwas Neues.)

Beitrag des Moments

Vorgestern (am 1. 1.) habe ich zum ersten Mal gefühlt, was das Wort Erlauben bedeutet. Das mag dir vielleicht komisch vorkommen. Mir fällt dazu eine Begebenheit ein, die Erich Fromm in seinem Buch „Authentisch leben“ beschreibt. Eine Frau erzählt ganz aufgeregt: „Heute habe ich zum ersten Mal Erbsen rollen sehen!“ Ihre Freundin sieht sie verständnislos an. Das ist doch etwas ganz Normales und Alltägliches, denkt sie. Jeder hat schon zig Mal Erbsen rollen sehen.