Du kannst es nicht erwirken

Was ist die Lieblingsbeschäftigung von Erwachenden? Sie arbeiten an ihrem Erwachen. Da sind einmal die Klassiker Themen bearbeiten und Übungen machen. Aber es geht weiter. Sie versuchen, ihre Göttlichkeit einzuladen, sich mit ihrer Göttlichkeit zu verbinden, sie zu spüren, sie zu fühlen, Energien zu fühlen, das Massenbewusstsein zu fühlen, die Zeitlosigkeit wahrzunehmen und vieles mehr. Sie versuchen, sich ihr göttliches Leben vorzustellen und auszumalen, wie das dann wohl sein würde. Sie stecken unheimlich viel mentale Energie in all diese Dinge. Und natürlich werden immer wieder Seminare besucht, Bücher und Channelings gelesen und gehört und Methoden angewandt, die eine Veränderung im Bewusstsein bewirken sollen. (Unter Shaumbra besonders beliebt: die Merabhs.)

Alles in allem investieren Erwachende enorm viel Zeit und noch viel mehr Energie in die Arbeit an ihrem Erwachen. Und diese Arbeit wird mit zunehmender Dauer total frustrierend. Da arbeitet der Mensch zehn, zwanzig Jahre an seinem Erwachen und stellt immer wieder fest, dass er noch immer nicht erwacht ist. Bei allen Fortschritten, die er am Beginn einmal gemacht hat; bei allen großartigen Erlebnissen und Erfahrungen, die er immer wieder hatte und hat.

Es ist eine Vorstellung der alten Energie, die Erwachende hier antreibt. Sie glauben, dass sie mit Investition, also mit Arbeit und Anstrengung, etwas bewirken können. Und das ist ein No-go. Man kann nicht mit Mitteln der alten Energie in die Neue Energie kommen. Das geht schlicht und einfach nicht. Punkt.

Du kannst dein Erwachen nicht erwirken. Du kannst es nicht erwünschen und schon gar nicht erzwingen. Mehr noch, du kannst es dir nicht einmal vorstellen oder ausmalen. Du kannst es nicht steuern, dein Erwachen liegt nicht in deiner Hand. Alles, was du glaubst, zu deinem Erwachen beizutragen, verlängert den Prozess – und macht ihn schwieriger und schmerzvoller.

Du kannst dein Erwachen nicht erwirken.

Du kannst es nur erlauben. Erlauben heißt, sich nicht dagegen zu stellen. Es passieren Dinge, von denen du in deinem menschlichen Selbst nicht die geringste Ahnung hast, die du dir nicht einmal ansatzweise vorstellen kannst. Deshalb ist jeder menschliche Versuch, auf den Prozess irgendwie einzuwirken, zum Scheitern verurteilt. Am Erwachen in irgendeiner Art und Weise zu arbeiten bedeutet, den Prozess steuern zu wollen. Es ist also das Gegenteil von Erlauben. Das Nicht-Erlauben kann leicht dazu führen, dass der Prozess des Erwachens auf Jahrzehnte ausgedehnt wird, obwohl er an sich nur einige Jahre dauern würde.

Es ist übrigens nach dem Erwachen dasselbe. Ich habe einige Erinnerungen daran, dass ich mir die nächsten Schritte, meinen weiteren Pfad, auf eine bestimmte Weise vorstellte – und in Verbindung damit natürlich aus wünschte. Ich war schon längst erwacht und hatte wahrlich viel Wissen der Ebene 4. Also traf ich getrost aus diesem Wissen immer wieder Annahmen. Ich hatte allerdings noch nicht realisiert, dass es nach der Erleuchtung die Phase der Anpassung gibt. – Was soll ich sagen? Es gab keinen einzigen Fall, nicht einen, in dem das, was dann passierte, auch nur näherungsweise mit meinen Vorstellungen übereinstimmte. Meine Göttlichkeit überraschte mich immer wieder ganz und gar. Zum Glück hing ich nicht stark an meinen Vorstellungen, sodass sich meine Schmerzen in den Zeiten der Nicht-Erfüllung in Grenzen hielten.

Allen Stacker formuliert diese Tatsache in seiner Rückschau sehr trefflich: „Ich würde wissen, dass ich KEIN spirituelles Erwachen zu meinen Bedingungen haben kann.“
Adamus sagt: „Du wählst Erwachen und erlaubst Erleuchtung.“

Ich muss dazu sagen, dass sich Allens Ich und Adamus' Du auf das menschliche Selbst bezieht, weil die Perspektive des Erwachenden noch primär die menschliche ist.

Der Punkt ist freilich bei beiden (und bei den Aussagen aller erleuchteten Wesen) derselbe: Der Erwachende kann aus seiner menschlichen Perspektive sein Erwachen in keiner Weise erwirken, steuern oder herbei wünschen. Das Erwachen liegt in keiner Weise in seiner menschlichen Hand. Es wird zu hundert Prozent von seinem göttlichen Selbst gesteuert – sofern und soweit es der Mensch erlaubt.