Du gehst alleine

Der Weg zur Erleuchtung ist absolut individuell. Es mag da und dort Parallelen zu anderen Menschen geben, aber nur abschnittsweise und immer nur in Teilbereichen. Dein Weg ist individuell, es gibt keinen zweiten Weg, der so ist wie deiner. Es gibt keinen zweiten Menschen, der deinen Weg beschreitet.

Du gehst alleine.

Du kannst keinen anderen mitnehmen, jeder muss seinen Weg für sich selbst gehen. Du kannst deine Lieben nicht mitnehmen. Das ist besonders schmerzlich für alle, die in langjährigen Partnerschaften leben. Noch dazu dann, wenn der Partner sich auch auf seinem Weg zur Erleuchtung befindet. Sei dir dessen bewusst, dass dein Partner seinen eigenen Weg geht und gehen muss. Wenn du daran festhältst, gemeinsam gehen zu wollen, wirst du stecken bleiben, und das wird dich nicht glücklich machen. Deinen Partner natürlich auch nicht.

Das mit den Partnerschaften ist überhaupt so eine Sache. Menschen sind irgendwann einmal zusammengekommen, weil sie sich alleine unvollständig gefühlt haben. Und dann haben sie diese wundervolle Ergänzung gefunden, ihren Lebenspartner. Das war in der Zeit, bevor sie den Ruf des Erwachens vernommen haben. Im Erwachen verändert sich aber alles, du gehst in deine Einheit (die, wie du noch feststellen wirst, ganz schön vielfältig ist), und du gehst in deine Souveränität. Da sind die alten Vorstellungen von Partnerschaft nicht mehr zu halten.

Und sie kamen deshalb zusammen, weil es ein Muster war. Es war einfach ein Muster im Massenbewusstsein. Menschen gehen in Zweierbeziehungen zusammen, Punkt. Wer es nicht tut, hat es schwerer als die, die es tun. Das klingt ziemlich trocken, aber so ist es. Die allermeisten Menschen haben dieses Muster nie hinterfragt und sind einfach dem Massenbewusstsein gefolgt.

Natürlich ist in vielen langjährigen Partnerschaften aufrichtige Liebe ein Element in der Beziehung. Aber frage dich selbst offen und ehrlich: Wie groß ist der Anteil der Gewohnheit? Der Anteil der vielen gemeinsamen Erfahrungen? Der Anteil der Verlustangst? (Oh Gott! Was würde ich bloß ohne meinen Partner tun?!) Wie groß ist der Anteil von Karma? (Üblicher Weise sehr groß.) – In der Regel steckt jenseits der Liebe eine große Menge Angst hinter der Vorstellung, seinen Partner verlieren zu können. Und auch hinter der Vorstellung, dass sich die Beziehung grundlegend ändern könnte.

Es ist wichtig, dass du offen für Veränderungen bist. Wenn deine Partnerschaft gehen möchte, lass sie gehen. Wenn sie sich verändert, auch fundamental, lass sie sich verändern. Du gehst alleine in deine Erleuchtung. So oder so gehst du ohne deinen Partner.

Das ist auch schmerzlich für alle, die sich in Gruppen befinden. Viele Erwachende versammeln sich in Gruppen, ich kenne ziemlich viele davon. Es ist schön, in einer Gruppe zu sein. Man lernt viele gleichgesinnte Menschen kennen, Menschen mit ähnlichen Problemen und Herausforderungen, mit ähnlichen Neigungen und ähnlichen Persönlichkeitsstrukturen. Aber sie sind eben nur ähnlich, nicht gleich. Menschen haben einen unwiderstehlichen Drang, sich in Peer-groups anzuordnen. (Der englische Ausdruck peer group bezeichnet eine Gruppe von Gleichrangigen oder von Menschen mit denselben Interessen.)

Natürlich haben diese Gruppen Vorteile. Man kann sich austauschen, man merkt, dass man nicht alleine ist. Besonders Erwachenden tut das gut, weil sie ja sonst von der ganzen Welt als Spinner abgetan werden. Das kann mitunter auch richtig gefährlich werden, wie ich mittlerweile an einigen Beispielen gesehen habe. Psychiatrie und Sozialsystem lassen keine Abweichungen zu, und die beiden können recht gnadenlos zuschlagen.

Wenn du in einer Gruppe bist, bist du ständig versucht und gewillt, mit der Gruppe gemeinsam zu gehen. Du versuchst, deine Symptome und Probleme mit denen der anderen abzugleichen. Du merkst zwar früher oder später, dass bei dir irgendwie alles anders ist als bei den anderen, aber das unterdrückst du lange. Du versuchst auch, Lösungen, die andere für sich selbst gefunden haben, auf dich anzuwenden. In den seltensten Fällen funktioniert das auch. Der Weg ist eben individuell.

Irgendwann kommt der Punkt, wo du beginnst zu spüren, dass dich die Gruppe mehr bremst als unterstützt. Sie tut es nicht aktiv, das würde eine Gruppe von Erwachenden nie tun. Es passiert einfach dadurch, dass man nicht als Gruppe erwachen kann, aber jeder in der Gruppe den Hang hat, in der Gruppe zu verweilen, weil sie ein so netter Ort ist, an dem man sich so wohlfühlen kann.

Aber du gehst alleine. Du musst einen Weg finden, anders mit deiner geliebten Gruppe umzugehen, eine andere Haltung dazu einzunehmen. Höchstwahrscheinlich ist es sogar so, dass du schon seit sehr langer Zeit auf recht subtile Art spürst, dass dich die Gruppe bremst. Aber du wolltest dir das nie eingestehen.

Du kannst niemand anderen mitnehmen. Das bedeutet natürlich auch, dass niemand anderer dich mitnehmen kann.

Oh, das tut weh. Vielen zumindest. Es wäre ja so schön, in der passiven Opferhaltung zu bleiben und darauf zu hoffen, dass jemand anderer die eigene Erleuchtung erledigen könnte. Adamus oder Kryon oder Lea oder Gott oder Eckhart oder dieser Typ, den du kürzlich kennen gelernt hast und der dir ziemlich erleuchtet vorkommt.

Nein, jeder geht seinen Weg zur eigenen Erleuchtung selbst, alleine. Niemand, absolut niemand kann dich mitnehmen, ebenso wie du niemand mitnehmen kannst. Andere Wesen können dann und wann unterstützend auf dich wirken. Genau betrachtet aber wirklich nicht öfter als dann und wann. Niemand kann es für dich tun, du tust es selbst.

Und dann gibt es die Einzelgänger. Sie haben keinen Partner und gehören keiner Gruppe an. Sie kennen auch persönlich niemanden, der sich ebenfalls im Erwachensprozess befindet. Sie lesen wahrscheinlich Bücher und Websites und Channelings, fühlen sich aber nirgendwo wirklich zugehörig. Das sind möglicher Weise die Menschen, die am meisten mit sich selbst hadern und an sich selbst zweifeln. Sie haben keine Möglichkeit des Austauschs, was ziemlich hart und schwierig ist.

Falls du so ein Einzelgänger bist, lass dir gesagt sein, dass du nicht verrückt bist. Auch wenn das deine gesamte Umwelt behauptet oder behaupten würde, wenn sie wirklich wüsste, was in dir vorgeht. Du bist nicht nur nicht verrückt, sondern du hast dich mit deinem Alleingang besonders gesegnet. Lass dich keinesfalls beirren und vertraue weiter auf das, was du in dir wahrnimmst. Mit hoher Wahrscheinlichkeit erwachst du schneller als die meisten Menschen, die in Partnerschaften und Gruppen verflechtet sind.

Obwohl dir natürlich Austausch gut tun würde. Aber du kannst ja jederzeit wählen, mit wem du dich austauschen möchtest.

Das bringt mich zum nächsten Punkt, dem Austausch. Besonders für Erwachende ist der Austausch wichtig, weil sie von Welten reden, von denen schlafende Menschen keine Ahnung haben. Sie reden von Dingen, für die sie im Massenbewusstsein Null Verständnis, ja sogar Ablehnung finden. Da tut es über die Maßen gut, mit Menschen zu reden, die wissen, wovon man spricht und die das alles bestens verstehen.

Aber sei dir sehr bewusst darüber, dass jeder Mensch seinen eigenen Weg geht, so wie du. Nimm den Ausdruck des anderen als das, was er ist: der Ausdruck des anderen. Er kann inspirierend für dich sein, aber es ist der Ausdruck seines Weges, nicht der des deinen. Bei allen Ähnlichkeiten, die du im Moment sehen magst.

Es ist überaus hilfreich, nach einem Austausch wieder auf Distanz zu gehen. So kannst du wahrnehmen, was der Austausch in dir bewirkt hat. Du kannst durchatmen, wieder zu dir kommen und deine Stimme hören. Nur diese Stimme ist es, die dich zur Erleuchtung führt.

Zu viel Austausch mit anderen kann dich hochgradig verwirren, ablenken und dich von dir entfernen. Du weißt nicht mehr, was du glauben sollst, weil du deinen inneren Kompass mit dem Gerede anderer übertönst. Und dann lässt du dir von anderen einreden, was in dir was zu bedeuten hat und was du glauben sollst.

Lass also jeden Austausch immer durch alle deine Wahrheitsfilter laufen. In Distanz.

Du gehst deinen Weg des Erwachens alleine.

Du gehst ihn nicht nur deshalb alleine, weil du absolut einzigartig, also individuell bist, sondern weil du in Wahrheit ein souveränes Wesen bist. Souverän bedeutet, dass du von nichts und niemandem abhängig bist, und dass du keinerlei Verantwortung für irgendein anderes Wesen hast – außer für dich selbst.

Das menschliche Selbst geht in seine Souveränität, also in das, was es in Wahrheit ist. Die Souveränität ist ein harter Brocken für die Menschen, weil sie es über Ewigkeiten gewöhnt waren, abhängig zu sein, mit diesen Abhängigkeiten zu leben und sich aus den Abhängigkeiten zu nähren. Da werden im Zuge des Erwachens sehr viele Schnüre durchschnitten. Wirklich sehr viele.

Nachdem du als Mensch zu dem wirst, was du in Wahrheit bist, zu einem souveränen Wesen, kannst du nur alleine gehen. Je früher dir das klar wird, desto befriedigender ist es für dich. Und nachdem du die Schnüre losgelassen hast, kannst du Beziehungen eingehen, die von einer völlig neuen Qualität sind, von einer Tiefe, die du davor nicht kanntest. Ohne jede Abhängigkeit und ohne jede Verpflichtung. Beziehungen unter souveränen Wesen eben.