Erleuchtet

Irgendwann im Leben eines erwachenden Menschen gibt es ein signifikantes Erlebnis. Eine Erkenntnis, die sich von allen vorigen Erkenntnissen deutlich unterscheidet. Sie ist nichts Geringeres als das Erkennen, dass du alles das bist, was du gesucht hast. Du kannst das tausendmal aus dem Munde anderer hören, aber das nutzt nichts. Du musst es selbst innerlich erleben, um es zu sehen. Das ist das, was ich Wissen der Ebene 4 nenne. Das innere Erleben, das Realisieren.

Bei mir war das so, dass ich plötzlich sah, dass ich meine Seele bin. Das war das Wort, das ich damals verwendete. Ob du es Seele, Göttlichkeit, Gott, Spirit, Essenz oder sonst wie nennst, ist egal, es bezeichnet alles dasselbe. Ich saß da und schaute mich an. Ich berührte mich überall am Körper und sah, dass das alles meine Seele war. Ich kniff mich in die Nase und sagte: „Das ist meine Seele.“ Ich realisierte, dass Körper, Geist und Seele eins waren. ICH war das alles. ICH bin das alles.

Natürlich hast du bei deiner Erkenntnis andere Gedanken, andere Worte und andere Dimensionen. Aber das Gefühl ist dasselbe. Das Gefühl, dass du das alles bist, dass du nicht getrennt bist von dem, was so oft das Göttliche genannt wird.

Ich wurde kürzlich gefragt, ob dieses Erkennen nicht ein langsamer Prozess sein kann, der sich irgendwann anbahnt und dann etwas zum Vorschein bringt. Ich glaube nicht. Eines Tages, eines Moments, erkenne ich, davor habe ich eben nicht erkannt. Vielleicht kann sich das Erkennen über zwei oder drei Tage erstrecken, weil du so überwältigt bist, dass du dir nicht gleich auf einen Schlag das ganze Gefühl erlauben kannst und du ein, zwei Tage brauchst, um es zu verdauen. Aber das ist schon das Maximum. Es gibt einen Moment des Erkennens.

Das verändert alles. Entweder sofort oder binnen weniger Tage.
Du nimmst wahr, welch unermessliche Liebe für dich da ist. Und zwar deine Liebe, sie kommt nicht von irgendjemand anderem, sie kommt nicht von außen. Selbstliebe ist keine Sache, die das menschliche Selbst auf das menschliche Selbst anwenden kann. Ich muss ja wirklich schmunzeln, wenn Erwachende versuchen, sich selbst mehr zu lieben. Das geht nicht, nicht so, wie sie sich das sich vorstellen. Die Liebe ist da, sie muss nicht erarbeitet, aufgebracht oder verdient werden. Es ist so, wie man es in vielen spirituellen Kreisen immer hört: Die Seele kann nicht anders, als sich jeden Tag aufs Neue in sich selbst zu verlieben. Nachdem du erkannt hast, dass du die Seele bist, spürst du plötzlich diese enorme Liebe. Und du kannst dich ab jetzt nie wieder nicht selbst lieben.

Falls du etwas über Neue Energie gehört oder gelesen hast, ist dir jetzt auf einen Schlag klar, was Neue Energie ist. Davor hast du dieses Konzept im Verstand herum gewälzt und bist nie wirklich dahintergestiegen. Und plötzlich fragst du dich, wie dir etwas so Einfaches wie Neue Energie jemals unklar gewesen sein konnte.

Nachdem du dich selbst erkannt hast, siehst du ganz klar, dass alles in deiner Hand liegt. Es gibt jetzt keine Ausreden mehr, du kannst dich nicht mehr bei deiner Seele, einem vermeintlich höheren Wesen irgendwo da oben oder bei einem aufgestiegenen Meister beschweren. Schon gar nicht kannst du dich bei anderen Menschen oder dem Schicksal beschweren. Du hast gesehen, und da kannst du deine Verantwortung für dich selbst nicht mehr abschieben. An die Stelle der Ausreden tritt das Gefühl der Eigenmacht. Du spürst, dass du tatsächlich dein Leben verändern kannst, dass du tatsächlich wählen kannst. Zumindest in einem gewissen Ausmaß, denn mit höchster Wahrscheinlichkeit siehst du nicht auf einen Schlag alles von dir.

Im Lauf von recht kurzer Zeit verlierst du jegliches Interesse daran, Drama zu machen. Und die Dramen der Menschen um dich werden immer unerträglicher für dich. Denn du hast wirkliche, echte Lebendigkeit in dir gespürt. Das ist jetzt die Lebendigkeit, die du dauerhaft haben willst.

Du siehst Energiediebstahl immer klarer. Und damit meine ich, du siehst ihn ganz einfach. Du spekulierst nicht darüber, was gemessen an den Lehren anderer als Energiediebstahl zu qualifizieren ist und was nicht, sondern du siehst ihn. Du siehst, wie andere von dir stehlen wollen, und du siehst, wie du immer noch von anderen stiehlst. Und du versuchst natürlich, der Stehlerei schnell ein Ende zu bereiten. (Was aber nicht von heute auf morgen geht, wie ich dir versichern kann.)

Du realisierst ziemlich schnell, dass du auf einmal keine Fragen mehr hast. Du bemerkst, dass du nicht mehr auf der Suche bist. Vielleicht fällt dir das nicht gleich auf, aber du bemerkst es recht bald. Ja, es gibt ein Ende der Suche. Nachdem du erkannt hast, wer du bist, kannst du nicht mehr nach dir suchen. Nach dir, nach Gott, nach …

Weiters stellst du fest, dass du nicht mehr kämpfst. Kein Kampf gegen dich, gegen Dämonen oder gegen andere Menschen. Du hast das Schwert niedergelegt. Du bemerkst stattdessen, wie anstrengend und energieraubend die Kämpfe waren.

Und du beginnst, deine Entscheidungen aus einer anderen Instanz heraus zu treffen. Du spürst immer besser, was deine innere Stimme ist, also deine Göttlichkeit, und lauschst ihr viel lieber als deinem Verstand.

Das sind in etwa die Elemente und die Folgen der Großen Erkenntnis. Natürlich sind einzelne Elemente individuell unterschiedlich stark vorhanden. Und einiges passiert ja auch nicht gleich beim Erlebnis des Erkennens, sondern erst kurze Zeit danach (Tage, Wochen). Aber dies sind so die wesentlichen Dinge.

Was dir aber nicht bewusst ist, was du nicht erkannt hast, ist, dass dieses Erlebnis dein Erwachen war. Es war deine Erleuchtung.
Es ist schon witzig, oder grotesk; da realisierst du, dass du die Seele bist, dass du alles bist, dass du nicht getrennt bist, doch du kommst nicht auf die Idee, dass genau das deine Erleuchtung ist. Das Ende der Suche. Übrig bleibt das Gefühl, dass dieses Erkennen bedeutend war, anders als andere Erkenntnisse, einschneidender. Es unterscheidet dich nun von allen anderen Menschen.

Die Tiefe deines Erlebnisses wird im Lauf der folgenden Tage und Wochen wieder seichter. Es wird wieder alles „normal“, die Besonderheit geht verloren. Es ist, wie wenn du einen wunderschönen Traum hattest, der nach dem Aufwachen noch sehr präsent ist. Du schwelgst eine Zeit lang in diesem schönen Traum, aber im Lauf des Tages verblasst er. Das Menschsein hat dich wieder. – Dennoch vergisst du diese Erkenntnis nicht, während viele andere schon längst irgendwo verschwunden sind.

Das Abflachen deines Erlebnisses trägt dazu bei, dass du es nicht als dein Erwachen identifizierst. Du nimmst dich nach wie vor als erwachend wahr, nicht als erwacht. Du glaubst nämlich, dass das Erwachen eine sofortige, anhaltende Umstellung mit sich bringen müsste. Instant butterfly, sozusagen. Das stimmt aber nicht.

Die folgenden Texte knüpfen an diesem Punkt an. Am Punkt deiner Erleuchtung, die du nicht als Erleuchtung erkannt hast. Aber du hattest dieses bedeutende Erlebnis des Erkennens.