Selbstbeobachtung – eine alte Art, sich kennen zu lernen

Alte Energie entstand und entsteht durch die Trennung. Die Trennung in Hell – Dunkel, Männlich – Weiblich, Menschlich - Göttlich usw. Die getrennten Teile wollen aber zusammen kommen, zusammen sein, und erzeugen dadurch Energie, durch diese Anziehungskraft. Diese Energie nennen wir Alte Energie. Adamus hat das in Shoud 4 der Meisterserie sehr anschaulich erklärt. Wir teilten uns, trennten uns, um uns selbst besser kennen zu lernen. Die Trennung gab uns einen Blick auf uns selbst, den wir davor nicht hatten. Weil wir die Trennung so lange, lange Zeit gewöhnt waren, suchten wir immer und immer wieder die Konfrontation. Denn ein getrennter Teil braucht ein Gegenüber, um sich selbst besser kennen zu lernen. Das Helle kann sich nur durch das Dunkle kennen lernen, das Weibliche nur durch das Männliche, und umgekehrt. Tobias hat schon vor langer Zeit den Unterschied zwischen Alter und Neuer Energie u. a. dadurch erklärt, dass er sagte, Alte Energie brauche ein Gegenüber, Neue Energie nicht.

Das kann jeder in seinem eigenen Leben wunderschön nachvollziehen. Im harmlosen Fall ist die Konfrontation ein Gespräch. Im Gespräch legt jeder seinen Standpunkt dar und schärft ihn dadurch, dass er beim Gesprächspartner einen anderen Standpunkt findet. So lernt jeder seinen eigenen Standpunkt besser kennen. Im schlimmsten Fall ist eine Konfrontation ein Krieg. Sehen wir uns nur den Krieg zwischen den USA und Irak an (bzw. zwischen der westlichen Welt und der islamischen Welt). Mit zunehmender Dauer des Krieges hat jede Partei nur ihren eigenen Standpunkt geschärft. Die Amerikaner wussten immer besser, warum ihre Werte die richtigen sind, und die Araber genauso. Ein Kennenlernen des anderen ist da natürlich nicht möglich, jeder lernt sich selbst besser kennen.

Vor ca. zwei Monaten habe ich versucht, einem Freund von mir ein Gefühl für die Begriffe Alte Energie und Neue Energie zu vermitteln. Ich habe versucht, ihm zu zeigen, was Trennung bedeutet. Denn für jemanden, der nicht in diesem Thema drin ist, klingen Begriffe wie „Trennung in Hell und Dunkel“ eher wie Verstandeskonstrukte. Dazu ist mir folgendes Beispiel eingefallen:

Stell dir vor, du beobachtest dich selbst. Du siehst dir selbst bei allem zu, was du tust und denkst und fühlst. (Das konnte er sich vorstellen, denn er beobachtet sich selbst immer wieder.) Bei diesem Zusehen stellst du dich selbst über dich, außerhalb von dir, und siehst dir von oben zu. Auf diese Weise lernst du einiges über dich. Aber was hast du gemacht? Du hast dich geteilt. Während der Selbstbeobachtung gibt es einen Handelnden und einen Beobachter. Der Beobachter sagt dem Akteur, was er tut und denkt und fühlt. Und nun verschärfe die Sache. Stell dir vor, du machst das (dir selbst zuzuschauen) ununterbrochen über eine lange Zeit. Mit der Zeit vergisst der Akteur, dass es einen Beobachter gibt. Der Beobachter vergisst, dass er eigentlich der Akteur ist. Das ist Teilung bzw. Trennung. Auf diese Weise könnten beide ewig so vor sich hin leben. Doch tief drinnen wissen sie, dass da etwas nicht stimmt mit ihrer Auffassung ihres Lebens. Der Akteur weiß tief drin, dass er den Beobachter erschaffen hat. Der Beobachter weiß, dass er eigentlich der Akteur ist. Also wollen sie wieder zusammen kommen. Das erzeugt Energie. Und wenn sie zusammen kommen, dann erzeugt das eine ganz andere Art von Energie. So wie Kernteilung und Kernverschmelzung ganz unterschiedliche Energien erzeugen.

Was machen wir also, wenn wir uns selbst beobachten? Wir teilen uns, wir gehen einen altenergetischen Weg. (An dieser Stelle lade ich jeden Leser ein, sich bewusst zu machen, wie oft er sich selbst beobachtet.) Viele Menschen versuchen immer wieder, auf dieselbe alte Art mehr über sich herauszufinden. Sie suchen zwar keine Konfrontation im Außen mehr, produzieren aber eine im Innen. Sie benutzen den Beobachter als Spiegel. Ganz abgesehen davon verleitet Selbstbeobachtung zur Selbstanalyse. Denn wenn man etwas an sich selbst beobachtet, drängen sich leicht Fragen auf: Warum ….? Wie ….? Schon ist man in der Analyse drin. Das bringt dann gleich gar nichts, außer der Beschäftigung des Verstandes. Auf alte Art.

Wenn die getrennten Teile wieder zusammen kommen, entsteht Neue Energie. Es gibt keine getrennten Teile mehr, die wieder zusammen wollen, und solcherart Energie erzeugen. Es gibt das Eine, das Ganze, das auf ganz andere Weise Energie erzeugt. Neue Energie braucht kein Gegenüber, keinen Spiegel und keine Konfrontation mehr, um sich selbst kennen zu lernen. Das Gegenüber gibt es ja gar nicht mehr!

Will sich Neue Energie denn nicht selbst kennen lernen? Braucht sie das nicht mehr? – Doch! Aber sie tut es anders. Und zwar dadurch, indem sie expandiert. Mit anderen Worten, indem sie sich selbst ausdrückt.

Was tritt nun im praktischen Menschenleben an die Stelle der Selbstbeobachtung? Der Selbstausdruck. Für mich ist das zB in hohem Maß das Schreiben. Ich staune jedes Mal wieder, wenn ich schreibe. blush Jedes Mal. Wenn mich ein Problem quält, weil ich mir eines gemacht habe, schreibe ich. Ich schreibe dabei weniger das Problem auf, als das, was ich fühle, wie es mir geht mit diesem Problem. Ich drücke mich aus. Während ich so vor mich hinschreibe, fällt mir dann auf, was ich drei Absätze zuvor geschrieben habe. Ich lese diesen Absatz nicht, er steht einfach vor mir. Die Kombination aus dem vorigen Absatz und dem aktuellen ergibt ein Licht, eine Erkenntnis, sagt mir etwas über mich. Das ist dann so klar und erhellend, wie es mit Selbstbeobachtung nie möglich gewesen wäre. Oft frage ich mich dann, was ich da eigentlich schreibe, es ist eh alles klar. Beim Schreiben suche ich keine Erkenntnis, keine Lösung, ich will mich nur ausdrücken. Und siehe da, ganz von selbst, schnell und mühelos steht eine Erkenntnis vor mir.

Eine andere Sache, die mir beim Schreiben passiert, ist, dass ich regelmäßig etwas anderes schreibe, als ich schreiben wollte. (Das gilt natürlich auch für diesen Artikel.) Im Selbstausdruck, im Fluss meiner Kreativität, entsteht eben immer etwas Ungeplantes. Das ist Leben. smiley Manchmal schreibe ich nicht, sondern rede einfach. Ich kann nicht einmal sagen, dass ich mit mir selbst rede. Ich muss mich einfach nur ausdrücken. Dieser Ausdruck hat keinen Adressaten. Dabei mache ich sehr ähnliche Erfahrungen wie beim Schreiben. In einem Gespräch ertappe ich mich oft dabei, dass ich etwas sage, was ich nie gedacht habe. Es kommt einfach während des Redens heraus. – Ah, schon wieder was gelernt!

Tobias hat bereits in einer der ersten Serien, noch lange vor der Lehrer-Serie, gesagt: „Worauf wartet ihr noch? Geht hinaus und lehrt! Ihr lernt durchs Lehren.“ Das ist (auch) Neue Energie!

Der Selbstausdruck ist die neue Art, sich selbst besser kennen zu lernen. Mit Selbstbeobachtung lädt man immer wieder Alte Energie zu sich ein. Und die Kollision von Alter und Neuer Energie ist oft wirklich nicht gesund, wie vermutlich jede(r) Shaumbra schon erfahren hat. Nebstbei funktioniert das Kennenlernen seiner selbst mittels Selbstausdruck ungleich schneller, effizienter und präziser als mittels Selbstbeobachtung. Eh klar, Neue Energie.

 

PS: Mein obiges Beispiel der Trennung zeigt auch recht schön, was es mit Mensch und Gott so auf sich hat, finde ich. Wenn ich mich frage, wer in dem Beispiel Gott und wer Mensch ist, stelle ich fest, dass die Rollen wechseln. Mal ist der Akteur Gott, mal der Beobachter. Schließlich stellt sich heraus, dass keiner von beiden Gott ist. Sie sind es nur zusammen.

Beitrag des Moments

Wie oft habe ich diesen Satz gelesen, gehört oder ihn mir in Erinnerung gerufen? Sehr oft. Und in der Regel hat er nicht viel für mich bedeutet. Warum?