Akzeptieren, annehmen, hinnehmen

Einen großen Teil des letzten Jahres war ich immer wieder (nicht immer!) mit dem Thema Akzeptieren befasst. Es kam auf verschiedene Arten aus verschiedenen Richtungen zu mir. Im Grünhexenland erlebte ich Akzeptanz, genauso, wie ich sie auch geübt hatte. Das war die schöne Seite des Themas. Eine Seite, die mich nachdenklich und zweifelnd stimmte, war, dass ich eine Reihe von Menschen erlebte, die sich dem Akzeptieren hingaben, die förmlich jeden Bullshit in ihrem Leben hingebungsvoll akzeptierten. Oder zu akzeptieren versuchten. Die schmerzliche Seite des Themas war, dass ich immer stärker Umstände in meinem Leben erlebte, die ich nicht akzeptieren wollte. Der Versuch, diese Umstände anzunehmen, erzeugte in mir ein sehr unbefriedigendes Gefühl, als ob ich mich selbst unterdrücken würde. Wenn mir dies gelungen war, hatte ich Frieden – für kurze Zeit.

Bald wurde mir klar, dass es einen Unterschied zwischen Annehmen und Hinnehmen gibt und dass ersteres erwünscht war und zweiteres nicht. Doch ich konnte die Linie zwischen beidem nicht so genau erfassen. Das heißt genauer gesagt, dass ich sie mit dem Verstand nicht erfassen konnte. Gefühlt habe ich sie deutlich. Wieder einmal ist im Nachhinein betrachtet alles sehr einfach, ich hätte nur meinem Gefühl folgen müssen. Doch ich war zu abgelenkt von dem spirituellen Gedankenkonzept, alles akzeptieren zu müssen.

Seit geraumer Zeit habe ich Klarheit zu dem Thema Akzeptieren – Annehmen – Hinnehmen. Interessanter Weise erlangte ich diese völlige Klarheit in meiner Zeit auf der Straße und in den Notunterkünften. Ich sagte ja, dass dies eine sehr reiche Zeit für mich war. Am Ende dieser Zeit kaufte ich mir Adamus’ Buch Lebe deine Göttlichkeit, und es wunderte mich schon nicht mehr, dass ich dort alle meine Erkenntnisse bestätigt fand, zum Teil sogar sehr wörtlich. Aber gefreut habe ich mich schon.

Wen oder was gilt es also nun zu akzeptieren? Es heißt doch immer, dass man alles und jeden akzeptieren soll, so wie es/er/sie ist. Hm, ja – und ganz klar nein. Was es wirklich anzunehmen gilt, bist du selbst. Und zwar alles, was du bist. Ich gebe dir ein Beispiel.

Als ich drei Wochen lang in dieser Notunterkunft schlief, war da ein Mann im Zimmer (wir waren zu dritt, manchmal zu viert), der mich mit einer bestimmten Verhaltensweise über die Grenze meiner Fähigkeit zu akzeptieren brachte. Er setzte sich abends an den Tisch, starrte in die Richtung meines Bettes und sagte kein Wort. Das machte er drei bis vier Stunden lang, jeden Tag. Der Tisch stand nahe bei meinem Bett, dieser Mann saß nicht direkt am Tisch, sondern leicht daneben, sein ganzer Körper war direkt zu meinem Bett gerichtet, keine zwei Meter von mir entfernt. Es war nicht so, dass er mich beobachtete, während ich am Bett lag, er drang einfach so richtig in meinen persönlichen Bereich ein. Stumm. Er saß nicht einfach nur da, er klotzte.

Eines Abends, ich hatte mich schon zum Schlafen hingelegt und er saß noch da, gestand ich mir unumwunden ein, dass ich das nicht hinnehmen wollte. Schluss mit Akzeptieren. Ich ließ meine Gefühle zu und ging richtig in sie hinein. Ich staunte nicht schlecht, als ich mein Gefühl identifizierte. Es war Hass. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal davor Hass empfunden hatte, aber jetzt war es klar. Ah, ich ging ganz hinein. Ich fühlte brennenden, leuchtenden Hass. War das eine Freude! Ich wollte mein Gefühl so richtig auskosten, denn nun hatte ich es mir ja erlaubt – aber da war es auch schon wieder weg. Ich konnte meinen Hass gerade mal einige Sekunden lang fühlen, weg war er. Das machte mich dann etwas traurig, weil ich mich ja so darüber gefreut hatte, mir das zu erlauben. Jedenfalls war meine Erlaubnis mit einem klaren Entschluss gekoppelt. Ich würde nicht – und niemals – dieses Verhalten des Mannes akzeptieren, und ich würde auch sonst nichts und niemand akzeptieren, der mein Leben leidlich macht. Stattdessen würde ich meinen Hass akzeptieren. Oder genauer gesagt, ich würde den akzeptieren, der hasst, der den Hass aufbringt. Nämlich mich.

Wie ging es weiter? Nachdem ich mich und meinen Hass akzeptiert hatte und dieser auch gleich wieder verschwunden war, kam er nicht wieder. Die Situation war neutralisiert. Und – das wundert jetzt hoffentlich niemanden – dieser Mann hat sein Verhalten verändert. (Der Vollständigkeit halber möchte ich erwähnen, dass ich mich an sich gut mit ihm verstanden habe, ich hatte nichts gegen ihn. Nur dieses Verhalten brachte mich auf die Palme.)

In der Folge fielen mir ein paar Schuppen von den Augen. Im Versuch, Dinge, Menschen und Verhaltensweisen zu akzeptieren, die mir wirklich nicht gefielen, unterdrückte ich mich selbst. Ich unterdrückte immer gewisse Gefühle, ich unterdrückte den, der diese Gefühle produzierte, nämlich mich. Was zur Folge hatte, dass meine Wut und mein Zorn immer größer wurden. Mir war immer klar, dass dieses dämliche Alles-Akzeptieren mich zum Opfer machte, und das wollte ich wirklich nicht sein.

In den Monaten bis in den Spätherbst war mir an mir aufgefallen, dass ich ziemlich viel abgelehnt hatte. Nicht Menschen, nicht einmal Verhaltensweisen von Menschen, sondern Situationen und Lebensumstände. Und natürlich hatte ich mir gesagt, dass es dumm von mir wäre, abzulehnen. Mit dieser Haltung hatte ich Teile von mir selbst abgelehnt, und das war die wirkliche Dummheit gewesen. Ich machte also sofort Schluss damit. Ich akzeptierte den, der all das ablehnte, also mich. Und irgendwie ist es gekommen, dass ich heute nichts mehr ablehne. Weil ich nichts mehr von mir ablehne, nichts mehr von mir unterdrücke.

Du musst in deinem Leben nichts akzeptieren, was du so nicht oder nicht mehr haben willst. Nichts. Wer hat dir gesagt, dass du Scheiße fressen musst, um spirituell zu sein? Du machst dabei nämlich nichts anderes, als dich selbst zu unterdrücken. Da ist ein Teil in dir, der laut schreit: „Ich will das nicht!“ Und viele spirituelle Menschen reagieren darauf so, dass sie diesen Teil ruhig stellen und die Scheiße fressen, weil sie meinen, sie müssten alles akzeptieren. Das ist aber kein Akzeptieren, sondern ein Hinnehmen. Ein Hinnehmen von etwas, das überhaupt keinen Spaß macht, ja das eigentlich sogar wehtut. Und dieser schreiende Teil, das ist dein Kern, dein wahres Selbst. So wird der Aufstieg nicht funktionieren.

Ich habe unter spirituellen Menschen viele kennen gelernt, die das totale Hinnehmen praktizieren. „Das ist ja aus irgendeinem Grund da. Das will mir ja etwas sagen. Das ist sicher irgendwie gut für meine Entwicklung.“ Solche und ähnliche Aussagen habe ich oft gehört. Und sie sind blanker Unsinn. Das ist ja der Gipfel der Opferhaltung! Jeder Mensch, jeder Aspekt und überhaupt das Universum können in meinem Leben herumpfuschen, wie sie wollen. Das ist es, was so ein Mensch aussendet, und das ist es, was er bekommt. Wo ist denn da der bewusste Schöpfer? Der Schöpfer, der Meister, der sein Leben gestaltet, bewusst, der erschafft, was er möchte? Diese Menschen fischen dann andauernd im Trüben, denn sie wissen nicht, was ihnen der ganze Bullshit sagen soll. Dann geben sie ihm halt mit ihrem Verstand irgendeine Bedeutung. Hm.

Ich habe von ein paar Menschen mit körperlichen Schmerzen gehört, dass sie versucht haben, ihren Schmerz zu lieben, ihn liebevoll zu umarmen. Bravo! Damit nähren sie ihren Schmerz ganz prächtig, er wird dann eher größer als kleiner. Wenn ich Schmerzen habe, schiebe ich sie nicht weg, ich fühle sie, ich gehe in diese Gefühle hinein. Damit habe ich sie zur Kenntnis genommen, voll und ganz. Und ich sage dann auch klar, dass ich sie nicht mehr haben will. Und dann verschwinden sie auch recht schnell.

Ich akzeptiere jeden Menschen, wie er ist. Ich will keinen verändern. Ich akzeptiere alles auf der Welt, wie es ist. Ich mache mir keine Gedanken über Katastrophen, Umweltverschmutzung, Politik, Wirtschaft usw. Ich habe nicht das geringste Bedürfnis, mich da einzumischen. Wenn die Menschen Energie stehlen, sollen sie das tun. Aber: Wenn ein Energiedieb in meinen Lebensraum eintritt und von mir Energie stehlen will, akzeptiere ich das nicht, ich werfe ihn wieder hinaus. Ich lasse den Menschen nicht bei mir und versuche, ihn zu ändern. Nein, daran liegt mir gar nichts. Er soll alle seine Spiele spielen, wie er will, aber nicht bei mir. Ich würde mich ja zum Opfer machen, wenn ich ihn weiter bei mir dulden würde, weil ich glaube, alles akzeptieren zu müssen.

Also, nehmen wir einmal an, du hast einen Hund, und dieser Hund scheißt dir ins Schlafzimmer. Welche Haltung nimmst du ein? Sagst du dir, dass dir das wohl irgendetwas sagen soll und versuchst, die Hundescheiße zu lieben? Oder machst du dem Hund klar, dass er das nicht zu tun hat?

Akzeptiere alles von dir, jeden Teil, jedes Gefühl, jede Regung. Wenn du zornig bist, akzeptiere deinen Zorn anstatt ihn zu unterdrücken. Den Teil von dir, den du dabei annimmst, kannst du liebevoll umarmen. Bei mir entsteht dieser Wunsch automatisch, weil ich mich selbst liebe und mich immer freue, wenn ich einen vormals blinden Fleck von mir nun sehe. Ich kann so sehr fühlen, wie ich es bin, der diesen Zorn hervorbringt.

Indem du alles von dir akzeptierst, geschehen Wunder. Die Situationen, die zB deinen Zorn gereizt haben, verschwinden. Mit jedem Stück, das du in dir akzeptierst, kommt automatisch mehr Akzeptanz des Außen. Es fängt also wieder einmal alles bei dir selbst an. Versuchst du es jedoch umgekehrt, also zuerst alles im Außen zu akzeptieren, wirst du nur frustriert, immer mehr Opfer, und du unterdrückst dich selbst. Wieder einmal.
Das nächste Wunder ist, dass du dich schnell immer besser selbst erkennst. Mit jedem Akzeptieren wird deine Sicht klarer, du nimmst immer mehr wahr. Tja, und die nächste Folge ist wohl klar, nämlich dass du auch im Außen immer klarer siehst und immer mehr erkennst. Ich habe das auch in meinem letzten Blog schon angedeutet.

Wir gehen den Weg zur Meisterschaft. Ein wichtiger Schritt auf diesem Weg ist, zu erkennen, dass du nichts akzeptieren musst, was du nicht haben willst. Ein Meister ist ein bewusster Schöpfer und nicht jemand, der Dreck frisst. Nicht jemand, der alles erduldet, was da kommt. Das ist das Spiel eines Opfers. Wenn du dich selbst akzeptierst und dein Leben bewusst erschaffst, verschwinden die Umstände, die dir nicht gefallen und die du dann akzeptieren solltest. Das heißt natürlich nicht, dass du andere Menschen verändern oder eine andere Regierung erschaffen kannst. Nein, du erschaffst dir ein Leben, in dem bestimmte Verhaltensweisen von Menschen nicht mehr auftauchen und in dem du mit diversem Wahnsinn von Regierungen nicht mehr konfrontiert bist.

Schluss mit Hinnehmen, ja zum Sich-selbst-Annehmen!

Neuen Kommentar schreiben